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Rechtspopulismus oder rechter Verdruss?

Eine empirische Analyse der Unterstützung der AfD im Vorfeld der Bundestagswahl 2017
  • Markus KleinEmail author
  • Fabian Heckert
  • Yannic Peper
Abhandlungen

Zusammenfassung

Die Unterstützung der Alternative für Deutschland (AfD) im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 wird unter Bezugnahme auf den Forschungsstand zu älteren Rechtsparteien in Deutschland analysiert. Auf der Grundlage einer Auswertung der Vorwahl-Querschnittstudie der Deutschen Nationalen Wahlstudie (GLES) kann gezeigt werden, dass auch die AfD in erster Linie von Personen unterstützt wird, die sich politisch rechts einstufen und gleichzeitig politikverdrossen sind. Eine Besonderheit der AfD besteht im Vergleich zu den älteren Rechtsparteien allerdings darin, dass es ihr gelingt, auch nennenswerte Anteile der Politikverdrossenen aus der politischen Mitte und dem gemäßigten linken Lager zu mobilisieren. Aufgrund der methodischen Probleme bei der Identifikation von Interaktionseffekten im Rahmen logistischer Regressionsanalysen erfolgen die empirischen Analysen mit dem Segmentationsalgorithmus CHAID. Darüber hinaus wird gezeigt, dass das Konzept des Rechtspopulismus inhaltliche Widersprüche aufweist und bei der empirischen Analyse der Unterstützung der AfD keine zusätzliche Erklärungskraft generiert. Abschließend wird die besondere Bedeutung Angela Merkels für die Entstehung von Politikverdrossenheit und damit auch für die Unterstützung der AfD herausgearbeitet.

Schlüsselwörter

Rechtspopulismus Rechtsextremismus Politikverdrossenheit Interaktionseffekt Alternative für Deutschland Bundestagswahl 2017 

Right-Wing Populism or Right-Wing Disenchantment?

An Empirical Analysis of the Support for the AfD in the Run-Up to the 2017 Bundestag Elections.

Abstract

The support for the Alternative for Germany (AfD) in the run-up to the 2017 Bundestag elections is analysed with reference to the state of research on older right-wing parties in Germany. Based on an analysis of the pre-election cross-sectional study of the German National Election Study (GLES), it can be shown that AfD is also primarily supported by people who are ideologically right-wing and at the same time disenchanted with politics. A distinctive feature of the AfD, however, in comparison to the older right-wing parties, is that it also succeeds in mobilising significant proportions of the political disenchanted from the political centre and the moderate leftist camp. Due to the methodological problems in identifying interaction effects in the context of logistic regression analyses, the empirical analyses are carried out with the CHAID segmentation algorithm. Furthermore, it is shown that the concept of right-wing populism has inconsistencies in content and does not generate any additional explanatory power in the empirical analysis of support for AfD. Finally, the special importance of Angela Merkel for the emergence of political disenchantment and thus also for the support of the AfD is being elaborated.

Keywords

Right-wing populism Right-wing extremism Disenchantment with politics Interaction effect Alternative for Germany 2017 Bundestag elections 

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Copyright information

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für PolitikwissenschaftLeibniz Universität HannoverHannoverDeutschland

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