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Der „Kleine Mann“ und die AfD: Was steckt dahinter?

Antwort an meine Kritiker
  • Holger Lengfeld
Berichte und Diskussionen

Zusammenfassung

Meine Kritiker haben einen negativen Effekt des sozialen Status auf die Wahrscheinlichkeit gefunden, die AfD zu wählen. Diese Befunde reichen aber nicht aus, um die Modernisierungsverliererthese zu bestätigen, die ich 2017 in dieser Zeitschrift formuliert und getestet hatte. Der Grund ist, dass mit dem sozialen Status gesellschaftsbezogene Einstellungen variieren, die keinen Bezug zur wirtschaftlichen Modernisierung haben. Wenn man in multivariaten Analysen den Einfluss dieser Einstellungen kontrolliert, verschwinden die Statuseffekte. Eine dieser Einstellungen ist die Ablehnung von Flüchtlingen: AfD-Wähler nehmen Flüchtlinge häufiger als Konkurrenten um knappe Ressourcen und als Bedrohung der kulturellen Homogenität der deutschen Gesellschaft wahr. Dies bedeutet, dass eine Mediation des Effekts des sozialen Status auf die AfD-Wahlabsicht durch Einstellungen zur Zuwanderung vorliegt. Evidenz für diese These finde ich in einigen Beiträgen meiner Kritiker und in neuen Analysen mit dem Sozio-oekonomischen Panel (GSOEP). Mein Fazit lautet, dass eine Politik der Umverteilung nicht geeignet ist, um AfD-Wähler zurückzugewinnen, weil sie am entscheidenden Wahlmotiv dieser Menschen vorbeizielt.

Schlüsselwörter

Alternative für Deutschland (AfD) Kulturelle Bedrohung Modernisierungsverlierer Rechtspopulismus Sozioökonomischer Status Sozio-oekonomisches Panel (GSOEP) 

Ordinary Joe and the AfD: What Lies Beneath It?

A Response to My Critics

Abstract

Critics of my work have found a negative effect of the social status on the likelihood of someone voting for the AfD. However, these findings do not sufficiently confirm the Modernisation Losers’ thesis that I had formulated and testest in this journal in 2017. The reason is that attitudes towards society vary dependent on social status, and these attitudes have no reference to economic modernisation. When controlling the influence of these attitudes in multivariate analyses, status effects will disappear. One of these attitudes is the rejection of refugees: AfD voters often perceive refugees as competitors for scarce resources and a threat to the cultural homogeneity of German society. This means that the effect of social status on the intention of voting for AfD is mediated by attitudes towards immigration. I find evidence for this thesis in some of the contributions of my critics and in new analyses based on the German Social-Economic Panel (GSOEP). My conclusion is that a policy of redistribution will not be suitable for winning back AfD voters, because it misses the decisive motive for their voting.

Keywords

Alternative für Deutschland (AfD) Cultural threat Losers of modernisation Right wing populism Socioeconomic status German Socio-oeconomic Panel (GSOEP) 

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SoziologieUniversität LeipzigLeipzigDeutschland

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