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Der Diabetologe

, Volume 15, Issue 8, pp 690–691 | Cite as

Gestationsdiabetes

  • K. LaubnerEmail author
Einführung zum Thema
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Gestational diabetes

Der Gestationsdiabetes mellitus (GDM) ist neben hypertensiven Erkrankungen die häufigste Komplikation während der Schwangerschaft und bedarf einer interdisziplinären Betreuung. Vom Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) wurden für das Jahr 2017 in Deutschland 761.481 Geburten ausgewertet, wobei in 5,9 % der Fälle, d. h. bei 44.907 Schwangerschaften, ein GDM vorlag [1]. In den letzten 15 Jahren nahm der GDM um das 4,5-Fache zu, seit Verankerung des Screenings auf GDM in den Mutterschaftsrichtlinien 2012 war ein 25 %iger Anstieg von 4,4 auf 5,9 % zu verzeichnen. Allen gesetzlich versicherten Schwangeren steht somit seit 2012 zwischen der 24 + 0 und 27 + 6 Schwangerschaftswoche ein Screening auf GDM unentgeltlich zu. Einziger Schwachpunkt ist, dass dem diagnostischen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) mit 75 g Glukose ein 50 g-Suchtest im nichtnüchternen Zustand vorgeschaltet und somit ein erheblicher Teil übersehen wird, da in der HAPO-Studie bei 33 % der Frauen die Diagnose des GDM allein anhand erhöhter Nüchternblutzuckerwerte gestellt wurde [2]. Diese Frauen mit lediglich erhöhten Nüchternblutzuckerwerten werden durch das in Deutschland festgelegte Vorgehen übersehen. Darüber hinaus hat der Nüchternblutzuckerwert die engste Korrelation zu einem ungünstigen Schwangerschaftsverlauf und -ergebnis [3]. All dies spricht für eine eingeschränkte Validität des 50 g-Suchtests, Frauen mit GDM frühzeitig zu erkennen, und stellt das aktuell 2‑zeitige Vorgehen in Deutschland in Frage, zumal auch von der internationalen Assoziation der „Diabetes and Pregnancy Study Group“ (IADPSG) und der WHO (Weltgesundheitsorganisation) ein einzeitiges Vorgehen mittels 75 g-oGTT empfohlen wird [3].

Die frühzeitige Erkennung eines GDM ist jedoch Voraussetzung, um rechtzeitig Therapiemaßnahmen zur Vermeidung mütterlicher und kindlicher Folgen zu ergreifen. Bereits 2005 und 2009 wurde in randomisierten Studien nachgewiesen, dass durch die Behandlung des GDM die Rate an Neugeborenentodesfällen und kindlichen Geburtsverletzungen signifikant gesenkt werden konnte [4, 5]. Ziel der Therapie ist somit das Erreichen der vorgegebenen Blutglukosezielwerte ohne Katabolie, ein perzentilengerechtes, proportionales Wachstum des Fetus, Gewichtszunahme der Mutter nach Empfehlungen des „Institute of Medicine“ (IOM) und letztendlich ein Ausgang der Schwangerschaft mit Ergebnissen, die sich nicht von dem nichtdiabetischer Mütter unterscheiden. Die Therapie umfasst konservative und medikamentöse Maßnahmen, wobei 70–90 % der Frauen mit konservativen Maßnahmen ihre Therapieziele erreichen. Die medikamentöse Therapie besteht in der Regel aus einer Insulintherapie, aber auch Metformin als orales Antidiabetikum ist im individuellen Fall nach entsprechender Aufklärung über den „off label use“ möglich. Zur Therapieüberwachung sind nicht nur regelmäßige Beurteilungen der Blutzuckerwerte notwendig. Wesentlich ist auch eine Kontrolle des fetalen Wachstums mittels Ultraschall durch die Gynäkologen und Geburtshelfer, um Hinweise für ein disproportionales Wachstum zu erhalten und im individuellen Fall die Blutglukosespiegeleinstellung zu intensivieren, wenngleich die Evidenz, dass hierdurch die Ergebnisse für Mutter und Kind signifikant verbessert werden, unzureichend ist und randomisiert-kontrollierte multizentrische Studien dazu fehlen.

Der GDM führt nicht nur zu akuten Folgen für Mutter und Kind, sondern auch zu Langzeitfolgen. Die Mütter haben nach einer aktuellen Metaanalyse eine Wiederauftrittsrate für einen GDM von 48 % in der nächsten Schwangerschaft [6], darüber hinaus ein 7‑ bis 8‑fach erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2 innerhalb von 10 Jahren, aber auch ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen, postpartaler Depression, kognitiver und psychiatrische Komplikationen und Tumorerkrankungen. In dieser Hochrisikogruppe der Frauen nach GDM muss letztendlich Prävention ansetzen, um das Risiko für GDM-Langzeitfolgen zu reduzieren. Geeignete Präventionsstrategien sind v. a. die Lebensstilinterventionsprogramme, aber auch die medikamentöse Prävention zeigte sich erfolgreich. Wesentlich ist, dass die Frauen entsprechend sensibilisiert und ermutigt werden, einen gesunden Lebensstil zu pflegen, damit präventiv tätig zu sein, aber auch regelmäßig Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen.

Dr. med. K. Laubner

Notes

Interessenkonflikt

K. Laubner gibt an, dass kein Interessenkonflikt im Zusammenhang mit dem Thema Gestationsdiabetes besteht. Sie hat Vortragshonorare von Amgen, AstraZeneca, Berlin-Chemie, Merck Sharp Dohme (MSD), Bristol-Myers Squibb (BMS), Sanofi Aventis, Böhringer Ingelheim, Lilly, GI Dynamis erhalten, Beraterhonorare von Janssen, Servier, GI-Dynamics, LifeScan sowie eine Forschungsförderung von GI-Dynamics und Boehringer Ingelheim.

Literatur

  1. 1.
    IQTIG (2018) Bundesauswertung zum Erfassungsjahr 2017 – Geburtshilfe – Qualitätsindikatoren. IQTIG. https://iqtig.org/downloads/auswertung/2017/16n1gebh/QSKH_16n1-GEBH_2017_BUAW_V02_2018-08-01.pdf. Zugegriffen: 20. Aug. 2018
  2. 2.
    Group HSCR, Metzger BE, Lowe LP, Dyer AR, Trimble ER et al (2008) Hyperglycemia and adverse pregnancy outcomes. N Engl J Med 358:1991–2002CrossRefGoogle Scholar
  3. 3.
    Metzger BE, Dyer AR (2014) Comment on d’Emden. Do the new threshold levels for the diagnosis of gestational diabetes mellitus correctly identify women at risk? Diabetes Care 37:e43–e44CrossRefGoogle Scholar
  4. 4.
    Crowther CA, Hiller JE, Moss JR, McPhee AJ, Jeffries WS et al (2005) Effect of treatment of gestational diabetes mellitus on pregnancy outcomes. N Engl J Med 352:2477–2486CrossRefGoogle Scholar
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    Schwartz N, Nachum Z, Green MS (2015) The prevalence of gestational diabetes mellitus recurrence—effect of ethnicity and parity: a metaanalysis. Am J Obstet Gynecol 213:310–317CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Abteilung Endokrinologie und Diabetologie, Klinik für Innere Medizin IIUniversitätsklinikum FreiburgFreiburgDeutschland

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