Advertisement

CME

, Volume 16, Issue 1–2, pp 7–7 | Cite as

Überraschender Op.-Befund

Appendizitis war in Wirklichkeit ein Grillunfall

  • Elke Oberhofer
Medizin
  • 12 Downloads

Bei akuten rechtsseitigen Unterbauchschmerzen und den typischen Zeichen bei der Palpation denkt jeder sofort an eine Appendizitis. Dass man sich trotzdem nicht zu schnell auf diese Diagnose festlegen sollte, macht der Fall eines jungen Mannes deutlich, der zuvor auf einem Grillfest kräftig zugelangt hatte.

Bei dem 20-jährigen Patienten deutete vieles auf eine akute Blinddarmentzündung hin: Die Schmerzen im rechten Unterbauch waren vier Stunden vor seinem Eintreffen in der Notaufnahme aufgetreten. Bei der körperlichen Untersuchung zeigte er Abwehrspannung und Loslassschmerz im rechten unteren Quadranten. Übelkeit und Fieber fehlten, dafür waren klassische Appendizitis-Zeichen — das Rovsing- und das Psoas-Zeichen — eindeutig positiv.

Labor und Bildgebung halfen nicht weiter

Im Labor zeigte sich eine Leukozytose mit Linksverschiebung. In der Ultraschalluntersuchung war der Blinddarm nicht sichtbar, man sah lediglich etwas Flüssigkeit im unteren Abdomen. Die Ärzte führten daraufhin eine Kontrastmittel-CT durch, aber auch diese half bei der Ursachenfindung nicht weiter: Die Appendix war vom Durchmesser her normal, es gab keine Hinweise auf eine gastrointestinale Obstruktion, Hernie oder Aszites.

Der Übeltäter: ein Metalldraht

Nun entschloss man sich zu einer exploratorischen Laparoskopie. Hier stießen die Chirurgen auf den Übeltäter: einen etwa 2 cm langen, dünnen metallischen Fremdkörper, der den Dünndarm im Bereich des rechten unteren Quadranten perforiert hatte. Nun war klar, dass man auf eine offene Op. umsteigen musste, um den perforierten Darmabschnitt mit dem Fremdkörper zu entfernen.

Nach überstandener Op. erinnerte sich der Patient, dass er zwei Tage vor Einsetzen der Schmerzen gegrillte Hamburger gegessen hatte. Im Fleisch musste sich wohl eine Drahtborste von der Grillbürste versteckt haben, vermuteten die Ärzte. Jedenfalls passte das im Darm steckende Drahtstück zu dieser Annahme. Der junge Mann konnte zwei Tage nach dem Eingriff in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden.

Viele Erkrankungen spiegeln klinisch eine Appendizitis vor

Dr. Jeremy M. Reeves und sein Team von der Palmetto Health Richland-Klinik in Columbia, South Carolina, weisen darauf hin, dass die diagnostische Treffsicherheit auf der Grundlage von Anamnese und körperlicher Untersuchung beim Verdacht auf akute Appendizitis lediglich bei 70% liegt. Theoretisch könne eine Vielzahl von Pathologien mit ganz ähnlichen Symptomen und Befunden einhergehen. Die Differenzialdiagnose umfasst neben Magen-Darm-Infekten z. B. auch die Nierenkolik, eine akute Verstopfung, einen M. Crohn sowie bei Frauen zusätzlich Ovartorsion, ektope Schwangerschaft, Ovarialzysten oder Endometriose.

© cookedphotos / Getty Images / iStock

Mit einer Sensitivität und Spezifität von 98,5% bzw. 98% ist die CT zwar ein relativ zuverlässiges diagnostisches Hilfsmittel. Allerdings bestätigen Ausnahmen, wie dieser Fall zeigt, auch hier die Regel.

Literatur

  1. Reeves JM et al. Ingested Foreign Body Mimicking Acute Appendicitis. Int J Surg Case Reports 2018; doi.org/10.1016/j.ijscr.2018.04.003XGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Elke Oberhofer
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations