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CME

, Volume 15, Issue 10, pp 43–43 | Cite as

Tinnitus ohne „Red Flags“

Das Pfeifen in den Griff bekommen

Medizin
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Tinnitus lässt sich in den meisten Fällen zwar nicht heilen. Man kann ihn aber — nach Ausschluss bestimmter „Red Flags“ — oft sehr gut mit konservativen Maßnahmen in den Griff bekommen. Kanadische Ärzte schildern einen typischen Fall, der vom Hausarzt optimal gemanagt wurde.

Was tun, wenn das Pfeifen den Schlaf raubt?

© ronstik / Getty Images / iStock

Seit etwa zwei Monaten hört Herr A. ein hohes Pfeifen in den Ohren, das dem 67-Jährigen zunehmend auf den Wecker geht. Weil vor allem auch der Schlaf darunter leidet, begibt sich der ehemalige Polizist zum Hausarzt.

Dr. Vincent Wu von der Universität Kingston, Ontario, hat diesen Fall in der Zeitschrift Canadian Family Physician aufgegriffen, um zu zeigen, dass der Hausarzt sehr oft in der Lage ist, Tinnituspatienten mithilfe konservativer Maßnahmen zu managen.

Bei Herrn A. ging der Doktor folgendermaßen vor: Da der Ton auf beiden Ohren zu hören war und nicht pulsierte, konnte man davon ausgehen, so Wu, dass es sich um einen sensorineuralen Hörverlust (SNHL) handelte. Um ein infektiöses Geschehen auszuschließen, nahm der Hausarzt eine Otoskopie vor. Diese war unauffällig und zeigte beidseits ein intaktes Trommelfell.

Umstellung des Lebensstils und Reduzierung von Stress

Die anschließende neurologische Basisuntersuchung ergab keine fokal-neurologischen Defizite. Der Arzt ließ daraufhin noch ein Audiogramm anfertigen. Das Ergebnis: Hochtonschwerhörigkeit auf beiden Ohren mit normalem Spracherkennungstest.

Für Wu et al. ist der Fall damit relativ klar: Herrn A.s Tinnitus wurde höchstwahrscheinlich durch eine Kombination aus Altersschwerhörigkeit und Lärmexposition oder akustischen Traumata verursacht. Warnhinweise wie unilaterales Auftreten, Pulsieren oder ein abnormer Otoskopiebefund lagen nicht vor.

Die Behandlung der Wahl sei in diesem Fall ein konservatives Management mit Umstellung des Lebensstils, Hörschutz in lauter Umgebung und dem Einsatz eines „White-Noise-Generators“. Herr A. soll versuchen, Stress zu reduzieren, und seinen Kaffee- und Alkoholkonsum einschränken. Zusätzlich schickt ihn der Arzt zum Tinnitus-Retraining, in dem er lernen soll, das Ohrgeräusch nicht mehr bewusst wahrzunehmen. Sollte dies nicht anschlagen, ist eine kognitive Verhaltenstherapie geplant. Diese benötigt der Patient jedoch nicht. Zwei Monate nach Therapiebeginn empfindet er das Ohrgeräusch nicht mehr als störend, kann wieder schlafen und seinen Alltagsaktivitäten nachgehen.

Literatur

  1. Wu V et al. Can Fam Physician 2018; 64: 491–495PubMedPubMedCentralGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • eo
    • 1
  1. 1.

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