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CME

, Volume 15, Issue 10, pp 32–32 | Cite as

Umfassend geschützt

Ist die Grippeimpfung für jeden sinnvoll?

  • Philipp Grätzel von Grätz
Schwerpunkt Pneumologie
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Schutz vor Herzinfarkt, Verringerung der Antibiotikaverordnungen — Die Vorteile der Grippeimpfung gehen laut aktuellen Studien über den Schutz vor einer Influenzainfektion hinaus. Pneumologen plädieren deswegen dafür, die Indikation viel breiter zu stellen.

Anfang des Jahres machten Public Health-Experten aus Kanada Schlagzeilen mit einer Untersuchung über den Zusammenhang zwischen Erkrankungen an Grippe und dem Auftreten von Herzinfarkten. In den ersten sieben Tagen nach einer per Labortest bestätigten Grippediagnose war das Risiko, wegen eines Herzinfarkts ins Krankenhaus zu müssen, sechsmal so hoch wie in Vergleichszeiträumen ohne zeitlichen Zusammenhang mit einer Grippediagnose [1].

Heißt das im Umkehrschluss, dass eine Influenzaimpfung auch vor Herzinfarkten schützen kann? Dafür spreche einiges, sagte Prof. Mathias Pletz vom Zentrum für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene an der Universität Jena.

Studien bestätigen positive Auswirkungen

So war die Herzinfarktinzidenz in mehreren randomisierten Studien zur Grippeimpfung im Impfarm niedriger als im Kontrollarm. Schon vor fünf Jahren hat eine Metaanalyse den Nutzen der Impfung für ein Kollektiv von über 6700 Probanden aus sechs randomisierten Studien konkret beziffert: 2,9% der geimpften Probanden und 4,7% der Probanden in den Kontrollgruppen erlitten innerhalb eines Jahres einen Herzinfarkt [2].

Impfung verringert auch die Rate an Antibiotikaverordnungen

Für Skeptiker in Sachen genereller Influenzaimpfung hatte Pletz in Berlin noch ein weiteres Argument: Eine generelle Influenzaimpfung führe zu einer messbaren Verringerung der Rate an Antibiotikaverordnungen.

Auch das lässt sich präzise beziffern, und zwar anhand der kanadischen Region Ontario, wo der gesamten Bevölkerung schon seit dem Jahr 2000 eine Influenzaimpfung angeboten wird. Mithilfe von Modellrechnungen haben Wissenschaftler abgeschätzt, welcher Anteil der Antibiotikaverordnungen in der Region mit Grippeerkrankungen und deren Folgen in Zusammenhang stand. Sie kamen auf 2,7% vor Einführung des generellen Impfangebots und auf 1,1% in der Zeit danach, ein Minus um 60% [3].

Diese Verringerung wurde erreicht, obwohl der Anteil derer, die sich impfen ließen, nur von 18% auf 38% der Bevölkerung stieg. Es reicht also schon, wenn nur ein Teil der Anspruchsberechtigten mitmacht.

Pletz plädierte nicht zuletzt vor diesem Hintergrund für eine Ausweitung der Impfempfehlung: „Aus meiner persönlichen Sicht macht die Influenzaimpfung für jeden Sinn. Einige Krankenkassen bezahlen das auch.“

Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) im Vorfeld des DGP-Kongresses vom 14. bis 17. März in Dresden

  1. 1.
    Kwong JC et al. N Engl J Med. 2018;378:345–53CrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Udell JA et al. JAMA. 2013;310(16):1711–20CrossRefGoogle Scholar
  3. 3.
    Kwong JC et al. Clin Infect Dis. 2009;49(5):750–6CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Philipp Grätzel von Grätz
    • 1
  1. 1.

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