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CME

, Volume 15, Issue 10, pp 7–7 | Cite as

Meningitis mit Hörverlust

Plötzlich taub —und schuld war der Hund

  • Dagmar Kraus
Medizin

Bei Patienten, die an einer bakteriellen Meningitis mit sensorineuronalem Hörverlust erkranken, macht es Sinn, nach einem Hund im Haushalt zu fragen. Denn bei Hundebesitzern darf nicht nur an Streptococcus pneumoniae oder Neisseria meningitidis als mögliche Erreger gedacht werden.

Ein wichtiger Zoonoseerreger ist beispielsweise das langsam wachsende, fakultativ anaerobe, gramnegative Bakterium Capnocytophaga canimorsus, das im Maul von Hunden und Katzen vorkommt und durch Bisse oder Lecken über eine Wunde übertragen wird. Das Bakterium kann eine Meningitis mit anschließendem sensorineuronalem Hörverlust (SNHL) verursachen, so wie im Fall eines 60-jährigen Mannes aus Frankreich.

Fieber, Kopfschmerzen, Hörverlust

Der Patient hatte sich in der Notaufnahme vorgestellt, klagte über Fieber und Kopfschmerzen und machte einen geistig verwirrten Eindruck. Außerdem berichtete er über einen beidseitigen Hörverlust. Erstmals aufgetreten waren die Beschwerden zwei Tage zuvor. Bei der klinischen Untersuchung des Mannes, der angab Alkoholiker zu sein, fiel eine Nackensteifigkeit und Photophobie auf. Fokale neurologische Defizite fehlten und das Trommelfell war unauffällig.

Neben einer Leukozytose (11.200/mm3) war eine deutlich erhöhte Serumkonzentration des C-reaktiven Proteins (412 mg/l) nachweisbar. Der Liquor erschien trüb und enthielt 390 Leukozyten/mm3 (87% Neutrophile, 2% Lymphozyten), 4,15 g/l Protein sowie mehr als 0,1 mmol/l Glukose. Damit bestätigte sich die Diagnose einer bakteriellen Meningitis und 33 Stunden später war im Liquor und Blut das Bakterium Capnocytophaga canimorsus als Erreger identifiziert.

Der Patient, der intensivmedizinisch betreut wurde, erhielt für 21 Tage eine intravenöse Antibiotikatherapie mit Cefotaxim (200 mg/kg/Tag) und zusätzlich fünf Tage Dexamethason i.v. Der Patient sprach gut auf die Therapie an. Wieder geistig klar konnte sich der Mann tatsächlich daran erinnern, dass sein Hund 15 Tage vor Beginn der Symptome über eine Wunde an seinem Daumen geleckt hatte.

Die zunächst durchgeführte Audiometrie bestätigte einen mittelschweren sensorineuronalen Hörverlust (SNHL) mit einer Hörschwelle von 64 Dezibel am rechten Ohr und 48 Dezibel am linken Ohr. Daraufhin wurde eine Steroidtherapie mit Methylprednisolon für eine Woche angesetzt. Die Hörschwelle verbesserte sich aber nur gering und lag bei einer späteren Audiometrie rechts bei 45 Dezibel und links bei 42 Dezibel. Es fanden sich weder Anzeichen für eine Fibrose des Labyrinths (MRT) noch zwölf Monate später für eine Osteoneogenese (CT).

Ein plötzlicher SNHL kann — wie in diesem Fall — Folge einer Capnocytophaga-canimorsus-Infektion sein. Und dabei handelt es sich keineswegs um einen Einzelfall, wie die HNO-Ärzte aus Frankreich betonen. Im Rahmen ihrer Literaturrecherche stießen sie auf fünf weitere derartige Kasuistiken, wovon vier innerhalb der letzten zehn Jahre publiziert worden sind.

© Tatyana Gladskih / stock-adobe.com

C. canimorsus — häufiges durch Hundebiss übertragene Pathogen

Angesichts der hohen Prävalenz des Erregers unter den Haustieren — jede fünfte Katze und jeder fünfte Hund sollen Träger sein — und der Tatsache, dass Patienten nach einem Tierbiss meist empirisch antibiotisch behandelt werden, müsse davon ausgegangen werden, so die Studienautoren, dass es sich bei dieser Zoonose keineswegs um eine seltene Infektion handele.

Literatur

  1. Cadre B et al. Laryngoscope 2018 (online first)Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Dagmar Kraus
    • 1
  1. 1.

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