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Gynäkologische Endokrinologie

, Volume 17, Issue 1, pp 1–2 | Cite as

Additive Maßnahmen in der Reproduktionsmedizin – Hoffnung oder Irrung

  • P. StuteEmail author
  • G. Griesinger
  • T. Strowitzki
Einführung zum Thema
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Additive measures in reproductive medicine—promise or confusion

Frau muss nur einen Blick ins Internet, in die ungezählten Schwangerschaftsratgeber oder den Drogeriemarkt um die Ecke werfen, um den Eindruck zu gewinnen, dass das Erzielen einer Schwangerschaft nur mit einem perfekt ausgeklügelten Konzept aus kleinen Extras zügig gelingen wird. Was versteckt sich hinter den kleinen Extras? Handelt es sich in Wirklichkeit um Geldmacherei bei einer sehr empfänglichen, weil verzweifelten Zielgruppe?

Mikronährstoffe sind für den Ablauf kataboler und anaboler enzymatischer Reaktionen essenziell

Im Mittelpunkt steht hier die sogenannte orthomolekulare Medizin. Diese beschäftigt sich mit der Erhaltung guter Gesundheit und mit der Behandlung von Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden sind und für die Gesundheit erforderlich sind (Definition nach Linus Pauling, 1901–1994). Bei den genannten Substanzen handelt es sich um Mikronährstoffe. Mikronährstoffe sind im Gegensatz zu Makronährstoffen (Kohlenhydrate, Proteine, Fette) keine Energielieferanten, sondern für den Ablauf kataboler und anaboler enzymatischer Reaktionen im Organismus essenziell. Mikronährstoff ist der Überbegriff für
  • wasserlösliche Vitamine (z. B. Folsäure, Vitamin C),

  • fettlösliche Vitamine (z. B. Vitamin D, Vitamin E),

  • Vitaminoide,

  • Mineralstoffe,

  • Spurenelemente (z. B. Jod, Eisen),

  • Aminosäuren,

  • Fettsäuren (z. B. Omega-3-Fettsäuren),

  • Enzyme,

  • sekundäre Pflanzenstoffe (z. B. Myo-Inositol, früher als Vitamin B8 bezeichnet),

  • Probiotika,

  • Präbiotika und

  • Ballaststoffe.

Gemäß dem Bundesinstitut für Risikobewertung 2017 ist die Supplementation von Mikronährstoffen für gesunde Personen, die sich normal ernähren, in der Regel überflüssig. Gemäß der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) 2012 gibt es jedoch diverse Ausnahmen, zu denen unter anderem Schwangerschaft und Stillzeit gehören. Die Beiträge von K. Bühling, C. Egarter und S. Scharla beschäftigen sich mit dem Einsatz einzelner Mikronährstoffe im Kontext der Reproduktionsmedizin und geben, sofern möglich, evidenzbasierte Dosierungsempfehlungen.

Ein klassisches endokrinologisches und immer gerne kontrovers diskutiertes Thema ist die optimale Einstellung der Schilddrüsenfunktion einer Frau mit unerfülltem Kinderwunsch. Oftmals werden für das thyreoideastimulierende Hormon (TSH) 2,5 mU/l als oberer Referenzwert angestrebt. Die aktuellen Empfehlungen der American Thyroid Association sehen das anders. In Abhängigkeit vom TSH im Serum und dem Vorliegen einer Autoimmunthyreopathie gelten unterschiedliche Zielwerte für TSH im Serum bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch. Darauf geht der Beitrag von J. Weiss detailliert ein.

Zurück zur Ausgangsfrage: Sind additive Maßnahmen in der Reproduktionsmedizin nur Geldmacherei? Für einige Mikronährstoffe liegen gute Belege vor, dass Frauen mit (unerfülltem) Kinderwunsch davon profitieren. Recht unklar ist dagegen die wissenschaftliche Situation in Bezug auf additive Maßnahmen bei Männern mit (unerfülltem) Kinderwunsch.
G. Griesinger

T. Strowitzki

Notes

Interessenkonflikt

P. Stute, G. Griesinger und T. Strowitzki geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Gynäkologische Endokrinologie und ReproduktionsmedizinUniversitätsklinik für Frauenheilkunde, Inselspital BernBernSchweiz
  2. 2.Universitäres Kinderwunschzentrum Lübeck und Manhagen, Zentrum für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Medizinisches Versorgungszentrum AmbulanzzentrumUK-SH GmbHLübeckDeutschland
  3. 3.Sektion für Gynäkologische Endokrinologie und ReproduktionsmedizinUniversitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus LübeckLübeckDeutschland
  4. 4.Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und FertilitätsstörungenUniversitätsfrauenklinik HeidelbergHeidelbergDeutschland

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