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Schmerzmedizin

, Volume 35, Issue 3, pp 20–20 | Cite as

Palliativversorgung bei Schlaganfall — schon früh daran denken

  • Barbara Kreutzkamp
Literatur kompakt
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An eine Palliativversorgung nach Schlaganfall wird im Routinefall eher selten gedacht — obwohl viele Patienten die Voraussetzungen dafür erfüllen. Palliativmediziner fassen die Studienlage zusammen, stellen eigene Ansätze vor und weisen auf ungeklärte Fragen hin.

Bisher erhalten Patienten mit einem Schlaganfall eine Palliativversorgung allenfalls bei sehr schlechter Prognose. Dabei erfüllen viele der Betroffenen bei entsprechender Symptomschwere auch schon vor einem absehbaren Tod viele Voraussetzungen für eine solche Betreuung („palliative care“, PC), schreiben Dr. Tobias Steigleder und Kollegen. Die Studienlage zu diesem Thema ist bisher überschaubar, so die Palliativmediziner.

Wegweiser für den Beginn einer PC sollten Schmerzen, Spastik oder eine anderweitig belastende Symptomatik bei den Patienten sowie Bedarf an Unterstützung der Pflegenden beziehungsweise Angehörigen sein. Bisher wird daran aber noch zu selten geachtet. Ärzte sollten bei solchen Symptomen oder Klagen über eine schlechte Lebensqualität noch wachsamer als bisher sein, fassen die Autoren die Studienevidenz zusammen. Validierte Fragebögen für PC-Bedürfnisse bei Schlaganfall gibt es derzeit allerdings noch nicht.

Treten nach einem Schlaganfall Schmerzen oder Spastiken auf oder klagen die Patienten über eine schlechte Lebensqualität, sollten Ärzte gegebenenfalls über den Beginn einer Palliativversorgung nachdenken.

© seventyfour / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)

An der Universität Erlangen-Nürnberg wurde jetzt ein neuer strukturierter Fragebogen zu möglichen PC-Bedürfnissen bei Schlaganfallpatienten entwickelt, der sechs Monate nach Krankenhausentlassung an Patienten beziehungsweise Pflegende verschickt wird. Adressiert werden darin unter anderem körperliche, mentale, soziale und spirituelle Aspekte sowie speziell auch Fragen zur Spastizität. Als ein generisches Instrument kommt eventuell die Palliative Care Outcome Scale (POS) in Frage, die beispielsweise schon für Patienten mit Multipler Sklerose angepasst wurde.

An den Ergebnissen der (nicht strukturierten) Befragungen kann sich auch die Formulierung der Therapieziele orientieren sowie bei Patienten und Pflegenden gegebenenfalls auch überhöhte Erwartungen relativiert werden. Zusätzlich ergeben sich dadurch auch klarere Vorstellungen für die weitere Behandlung beziehungsweise das Vorgehen bei Zustandsverschlechterung, schriftlich festgehalten in Patientenverfügungen.

Allerdings sind viele Fragen einer PC bei Schlaganfallpatienten und deren Angehörige noch offen — zumeist auch deshalb, weil diese Patientengruppe Besonderheiten im Vergleich zu beispielsweise Krebspatienten aufweist. Das gilt insbesondere auch für die Therapie der Schmerzen nach Schlaganfall, die meist nicht auf Opioide ansprechen.

Fazit: Noch sind viele Fragen in der PC von Schlaganfallpatienten und deren Angehörige offen. Nun sollten geeignete Screeninginstrumente und die Therapieziele in allen Phasen der Erkrankung diskutiert und entwickelt werden — am besten im Dialog von Palliativmedizinern, Neurologen, Patienten und deren Angehörigen.

Literatur

  1. Steigleder T et al. Palliative care for stroke patients and their families: barriers for implementation. Front Neurol 2019;10:Article 164CrossRefPubMedPubMedCentralGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Barbara Kreutzkamp
    • 1
  1. 1.

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