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Schmerzmedizin

, Volume 34, Issue 5, pp 23–23 | Cite as

Stellungnahme zu: Hilscher HJ. Schmerzmedizin 2018; 34 (4): 24-27

„Artikel repräsentiert eine Einzelmeinung“

  • Norbert Schürmann
Fortbildung Leserbriefe
In der Ausgabe 4/2018 dieser Zeitschrift erschien der Beitrag „Vorteile von Methadon gegenüber Opiaten“ von Dr. Hans-Jörg Hilscher aus Iserlohn (Schmerzmedizin 2018; 34 (4): 24-27). Aus schmerzmedizinischer Sicht bedarf dieser Artikel einiger kritischer Anmerkungen beziehungsweise Richtigstellungen. Denn die Angaben des Autors über die Elimination, Potenz und die Anwendung der Opioide stimmen nicht mit den uns bekannten Leitlinien [1, 2] und dem Lehrbuchwissen überein:
  • Hydromorphon wird unabhängig von der Nieren-Clearance verstoffwechselt und kumuliert auch nicht in der Langzeittherapie. Darin liegt der große Vorteil des Hydromorphon und es wird auch deshalb in der Tumorschmerzleitlinie der DGS als Medikament der ersten Wahl empfohlen [1].

  • Dass Methadon bei Leber und Niereninsuffizienz nicht kumuliert, ist wissenschaftlich nicht belegt und in Lehrbüchern so nicht zu finden. Vielmehr werden für Methadon ähnliche Abbauwege beschrieben wie für das Morphin.

  • Neuere Hydromorphon long Präparate werden unabhängig von der Alkoholsubstitution resorbiert.

  • Methadon ist im unteren Dosisbereich nicht potenter als Hydromorphon, im höheren Dosisbereich ist die analgetische Potenz des Methadons stark variabel. Daher sollte eine Umstellung von Opioiden auf Methadon nur im stationären Bereich empfohlen werden (vgl. [3]).

  • Methadon auch bei Durchbruchschmerzen einzusetzen, entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Zur Therapie des Durchschmerzes sind die schnell wirksamen Fentanyle Mittel der ersten Wahl, da diese bereits nach zwei bis fünf Minuten ihre analgetische Wirkung entfalten können. Eine schnelle Resorption von Methadon ist nicht nachgewiesen.

  • Die Empfehlung, dass Methadon gegen den Durchbruchschmerz eingesetzt werden kann, kann nur als Außenseitermeinung bezeichnet werden.

  • Der Autor geht auch auf die aktuelle Oxycodon-Problematik in den USA ein. Dort wurde überwiegend unretardiertes Oxycodon eingesetzt, was zu Fällen von Ateminsuffizienz und zu einem nicht unerheblichen Anteil an Todesfällen führte. Die in Deutschland übliche Verschreibung von retardierten Oxycodon hat mit der Praxis in den USA nichts zu tun. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.

  • Der Eindruck, der offenbar erweckt werden soll, Methadon sei ein leicht handhabendes Opioid, geht fehl. Es sind Studienbelege bekannt, nach denen Todesfälle unter Methadon häufiger Vorkommen als unter Morphin [2]. Dass Methadon im Zweifel gegeben werden kann, da es ja sonst keine Schäden verursacht, kann so nicht bestätigt werden.

  • Die Empfehlung und Anwendung unter anderem von Methotrexat (MTX) bei Aszites und malignen Ergüssen, wie vom Autor beschrieben, ist auch nach Rücksprache mit Onkologen als problematisch einzustufen. Studien über MTX in der beschriebenen Indikation sind uns nicht bekannt.

  • Der Artikel von Dr. Hilscher repräsentiert eine Einzelmeinung, der auch zahlreiche Leser mündlich sowie schriftlich widersprochen haben.

Literatur

  1. 1.
    Horlemann J et al. Praxisleitlinien Tumorschmerz der DGS; https://dgs-praxisleitlinien.de/index.php/leitlinien/tumorschmerzGoogle Scholar
  2. 2.
    Hübner J, Hartmann M: Methadon in der Onkologie: „Strohhalmfunktion“ ohne Evidenz Dtsch-Ärzteblatt 2017:114(33-34):A-1530 / B-1298 / C-1269Google Scholar
  3. 3.
    Schuster M et al.: Opioidrotation in der Tumorschmerztherapie — Ein systematisches Review. Dtsch Arztebl Int 2018; 115(9): 135–42PubMedPubMedCentralGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Norbert Schürmann
    • 1
  1. 1.

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