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Schmerzmedizin

, Volume 34, Issue 4, pp 49–49 | Cite as

„Heute sehen wir im CRPS ein komplexes Krankheitsbild“

  • Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature
DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V.
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„Wir müssen versuchen, das Gehirn ‚umzuprogrammieren‘, um die Funktion der Extremität wiederherzustellen“

Dr. Andreas Böger Chefarzt der Klinik für Schmerzmedizin an den DRK-Kliniken Nordhessen in Kassel und Regionalleiter der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) am Schmerzzentrum Kassel

Im Mittelpunkt der Therapie des CRPS steht eine spezielle Physio- und Ergotherapie. Erstaunliche Ergebnisse erzielen Schmerzmediziner mit der Spiegeltherapie nach Ramachandran.

? Herr Dr. Böger, ein CRPS wird oft erst spät erkannt. Warum?

Böger: Viele Kollegen kennen das Syndrom nicht. Manche Chirurgen befürchten auch, man könnte ihnen das als iatrogen verursacht in die Schuhe schieben und wollen damit nicht in Verbindung gebracht werden. Richtig ist, dass scheinbar eine gewisse Prädisposition zum CRPS existiert. Andererseits gibt es begünstigende Faktoren, zum Beispiel ein schweres Trauma, Mehrfachoperationen an Hand oder Fuß oder ein drückender Gipsverband.

? Sie sprechen in Bezug auf die Therapie von einem Paradigmenwechsel. Worin besteht der?

Böger: Früher wurde das CRPS primär als Schmerzkrankheit gesehen. Um die Funktion der Extremität, meist der Hand, hat sich niemand gekümmert. Heute sehen wir im CRPS ein komplexes Krankheitsbild, dessen Hauptproblematik darin liegt, dass die Repräsentation der Hand oder des Fußes im Gehirn verändert ist. Wir müssen also versuchen, das Gehirn „umzuprogrammieren“, um die Funktion der Extremität wiederherzustellen.

? Wie geht das?

Böger: Im Mittelpunkt steht eine spezielle Physio- und Ergotherapie mit medikamentöser und psychotherapeutischer Begleitung. Erstaunliche Ergebnisse erzielen wir mit der Spiegeltherapie nach Ramachandran: Der Spiegel steht auf einem Tisch zwischen rechtem und linken Unterarm. Der Patient sieht im Spiegel die gesunde Hand, die vom Gehirn als die Hand der Gegenseite, also als die kranke Hand, wahrgenommen wird.

Wenn jetzt die gesunde Hand bewegt wird, registriert das Gehirn dies als schmerzlose Bewegung der kranken Hand. Auf diese Weise lernt es, die kranke Hand wieder normal anzusteuern und erfährt dabei die Rückmeldung: „Alles normal!“ Die meisten Patienten berichten nach der zweiten oder dritten Behandlung, dass ihr Gehirn die kranke Hand wieder beginnt zu akzeptieren und dass sich das Gefühl wieder normalisiert.

? Kann das jeder Physio- oder Ergotherapeut?

Böger: Es gibt keine zertifizierte Ausbildung und im Grunde ist das nicht besonders schwer. Allerdings wenden nur wenige Ergo- und Physiotherapeuten die Methode ambulant an.

Das Wichtigste ist, dass die Patienten verstehen, was sie machen sollen, damit sie dann zu Hause fünf bis acht Mal täglich üben können. Wird das nicht gut verständlich erklärt, hilft die Therapie nicht. Wir nehmen Patienten, die mit der Spiegeltherapie nicht zurechtkommen, für einige Tage stationär auf, damit sie das erlernen können.

? Welche Empfehlung geben Sie Hausärzten?

Böger: Schicken Sie diese Patienten zu einem interdisziplinär arbeitenden Schmerztherapeuten! Dieser kann am besten einschätzen, was der jeweilige Patient tatsächlich benötigt. Für den Erfolg ist die frühzeitige funktionelle Therapie wichtig. Mit Katheterverfahren wird es dagegen eher schlimmer und man verliert Zeit.

? Welche Prognose können Sie den Patienten mitteilen?

Böger: Bei frühem Beginn der multimodalen Therapie bilden sich bei etwa 90 % der Patienten im ersten Jahr 90 % der Beschwerden zurück. Das heißt natürlich auch, dass die Therapie zuhause konsequent fortgesetzt werden muss. Die Medikamente können ab einem bestimmten Punkt abgesetzt werden.

Das Interview führte Thomas Meißner

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