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Schmerzmedizin

, Volume 34, Issue 4, pp 54–55 | Cite as

8. Schmerz- und Palliativkongress der DAGST

Einsatz von Cannabinoiden bleibt weiter topaktuell

  • Sven Gottschling
DGS Deutsche Akademie für ganzheitliche Schmerztherapie
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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir haben uns als kleine Fachgesellschaft dafür entschieden, uns sehr bewusst und intensiv mit komplementären Behandlungsansätzen in der Schmerz- und Palliativversorgung zu beschäftigen und auch bei unserem diesjährigen 8. Schmerz- und Palliativkongress der DAGST am 9. Juni 2018 in Homburg nahmen diese Themen wieder einen breiten Raum ein.

Bei aller Vielfältigkeit komplementärer Ansätze, die in dieser Ausgabe zum Beispiel auch durch eine Arbeit über den Einsatz von Niedrigenergielaser zur Therapie des Lymphödems nach Mammakarzinom-Operationen (Seite 56) gezeigt wird, gibt es seit nunmehr eineinhalb Jahren ein alles überstrahlendes Thema, an dem mittlerweile kein Hausarzt, kein Schmerz- und kein Palliativmediziner mehr vorbeikommt, und das ist der Umgang mit der prinzipiellen Verordnungsmöglichkeit von Cannabinoiden. Viel hat sich getan seit März 2017. Zahlreiche Reviews, Metaanalysen und die CaPRis-Studie des Bundesministeriums für Gesundheit wurden veröffentlicht. Durch die breite mediale Berichterstattung wurden viele potenzielle Patienten informiert, allerdings leider fast immer in einer der Komplexität des Themas völlig unangemessenen Form. Und so finden sich bis heute in vermeintlich seriösen Printmedien oder Berichterstattungen im Fernsehen fast ausschließlich Diskussionen über eine Therapie mit Cannabis-blüten, und der Fokus wird komplett weggerückt von den zur Verfügung stehenden Rezeptur- und Fertigarzneimitteln auf Cannabinoidbasis. Das Gesetz war grundsätzlich sicherlich gut gemeint, wichtig und richtig. Die Tücke zeigt sich aber im Detail, denn so gibt es immer wieder Unklarheiten und Unstimmigkeiten mit den Kostenträgern und dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen darüber, was denn eine schwerwiegende Erkrankung sei oder welche vorangegangenen therapeutischen Maßnahmen ein Patient denn wirklich alle im Vorfeld über sich ergehen lassen muss. Und während die Krankenkassen von einer überraschenden Flut von Anträgen sprechen — in Deutschland im Jahr 2017 circa 14.000 — bin ich eher über die sehr niedrige Antragsrate erstaunt. Wenn ich die Fallzahlen der in Israel mit Cannabinoiden versorgten Menschen auf Deutschland hochrechnen würde, so hätte ich mindestens mit einer viertel Million Cannabinoid-Patienten und mehr gerechnet und finde daher die Anzahl versorgter Menschen in Deutschland nachgerade erschütternd gering. Dadurch, dass das Indikationsgebiet so breit ist, die Anzahl zur Verfügung stehender Cannabinoid-basierter Arzneimittel, Extrakte und Blüten für den ungeübten Arzt an Unübersichtlichkeit kaum zu toppen ist und weiterhin viele Unsicherheiten und Ängste bei den verordnenden Ärzten bestehen (fehlende Erfahrung, teilweise rechtliche Unsicherheiten), immer verbunden auch mit der Angst, das Wirtschaftlichkeitsgebot nicht im Blick zu haben und in einen Regress zu laufen, wird uns das Thema sicherlich noch lange Zeit beschäftigen und wir dürfen nicht müde werden, immer wieder Fortbildungen anzubieten, sei es in persönlicher Form oder durch schriftliche Beiträge.

Die Anzahl mit Cannabinoiden versorgter Menschen in Deutschland ist nachgerade erschütternd gering.“

Prof. Dr. med. Sven Gottschling

Die DGS-Praxisleitlinie zu diesem Thema leistet hier einen außerordentlich wertvollen Beitrag. Im Oktober 2018 wird als weiterer Baustein als Beilage im Deutschen Ärzteblatt über den Deutschen Ärzteverlag ein Sonderheft Lehre & Praxis zum „Einsatz von Cannabinoiden“ veröffentlicht werden. Auch hier ist die Zielrichtung ganz klar, jeden Arzt soweit hinsichtlich der Thematik zu informieren und weiterzubilden, dass er sich in und mit dem Thema „Cannabinoid-Therapie für seine Patienten“ gut informiert und sicher fühlt. Auch das besondere Thema „Der Einsatz von Cannabinoiden bei Kindern“ wird in diesem Jahr noch intensiv beleuchtet werden, da wir alleine an unserem Zentrum rund 200 Kinder mit verschiedenen Indikationen seit Jahren mit Cannabinoiden behandeln und mithilfe unserer Fallserien auch andere Kollegen ermutigen möchten, Cannabinoidtherapien bei Kindern durchzuführen. Gerade in diesem Bereich erwarten wir auch zeitnah weitere wichtige Entwicklungen, denn so wird Cannabidiol, eine Substanz, die leider als Monosubstanz keinen Eingang in die Cannabinoid-Gesetzgebung gefunden hat, demnächst auch in Europa für therapierefraktäre Epilepsieformen im Kindesalter zugelassen werden.

Und so dürfen Sie sich jetzt schon auf unsere beiden Update-Veranstaltungen im August und November in Frankfurt und Mannheim freuen, bei denen wir versuchen werden, Neues aber auch Bewährtes für Sie in komprimierter Form sehr praxisnah aufzubereiten.

In diesem Sinne freue ich mich sehr entweder auf ein Wiedersehen mit Ihnen oder auf ein neues Kennenlernen!

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Sven Gottschling
    • 1
  1. 1.1. Vorsitzender DAGST e.V. Zentrum für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie Universitätsklinikum des Saarlandes HomburgSaarlandes HomburgDeutschland

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