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Schmerzmedizin

, Volume 34, Issue 4, pp 6–6 | Cite as

Palliativmedizin

Migranten nutzen die Angebote kaum

  • Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature
Panorama

_ 22,5 % der Bevölkerung in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Doch oftmals nehmen Menschen aus anderen Kulturkreisen die Angebote der Palliativmedizin nicht wahr. Ihre Beweggründe dafür hat nun erstmals die Gruppe um Professor Friedemann Nauck, Direktor der Klinik für Palliativmedizin der Universitätsmedizin Göttingen, untersucht. In ausführlichen Interviews haben sie Betroffene, deren Angehörige und die behandelnden Fachkräfte befragt und die Antworten ausgewertet.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass mangelnde Sprachkenntnisse es den Patienten oft erschweren, sich zu informieren oder entsprechende Hilfe anzunehmen. Sie seien abhängig von den Diensten mehrsprachiger Angehöriger, Übersetzern oder dem Engagement von Versorgern. Dazu kommt, dass viele Patienten ihre Erkrankung als einen Statusverlust erleben. Schon die Migration empfanden sie als Bruch in der Biografie, da sie ihre Position aus früheren beruflichen und sozialen Strukturen aufgeben mussten. Eine schwere Krebserkrankung verursacht zusätzlich Angst und Schamgefühle, den Angehörigen oder dem Gesundheitssystem zur Last zu fallen. Als besonderes Problem stellte sich zudem heraus, dass die betroffenen Familien mit Hindernissen konfrontiert werden, die sie selbst nicht überwinden können. So scheitern Rückkehrwünsche oft an bürokratischen und medizinischen Hürden.

Auch das medizinische Personal und die Pflegekräfte stellt diese komplexe Pflegesituation oft vor Hindernisse. „Insbesondere wenn diese Probleme der Patienten und ihrer Angehöriger vom medizinischen Personal als Ausdruck von kulturellen Unterschieden verstanden werden, entstehen Missverständnisse, die eine angemessene Betreuung erschweren“, erläutert Nauck.

Das Fazit der Wissenschaftler: Die palliativmedizinische Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund ist nicht selten besonders herausfordernd für alle Beteiligten. Hier sei es vor allem von zentraler Bedeutung, sehr genau auf die vielfältigen biografischen Umstände der Betroffenen einzugehen.

Literatur

  1. Nach Informationen der Deutschen Krebshilfe Google Scholar

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