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freizeit & leben

    • 13 Accesses

    Ausstellung Herbert Brandl

    Eine monumentale Bilderwelt aus Natur und reiner Farbe

    Er entschied sich für die klassische Malerei, als die Mehrzahl der jungen Künstler mit neuen Kunstformen wie Konzept- oder Videokunst die Grenzen des bisher Anerkannten sprengten. Und er geht diesen Weg unbeirrt bis heute, wo die einst totgesagte Malerei endlich wieder die Gefühle ansprechen darf. Herbert Brandl, Jahrgang 1959, weist mit seinen großformatigen Gemälden durchaus Parallelen mit den Malern der Romantik auf. Auch darauf weist die große Personale des Belvedere 21 hin, die sich mit seinem Schaffen der vergangenen 20 Jahre beschäftigt.

    Studiert hat Herbert Brandl ab 1978 an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei Herbert Tasquil und Peter Weibel und die Mehrzahl der nun präsentierten Bilder sind geprägt von seiner Auseinandersetzung mit verschiedenen Phänomenen der Natur — lange Zeit waren das Berge, aber auch Flusslandschaften oder Detailausschnitte aus seinem Garten. Und es sind fast ausschließlich Bilder in monumentalen Formaten, auf denen Brandl mit seiner charakteristischen Malweise mit deutlich zu erkennenden Pinselstrichen meist in leuchtenden Farben das Wesen des Objekts darstellt, dabei im Detail aber auch in abstrakten Formen die Bildspannung verstärkt. Der Prozess des Malens bleibt also sichtbar und erschafft gleichzeitig die Illusion der Realität des Bildgegenstands. Herbert Brandl ist ein „Bildzauberer“, der nicht nur aufgrund der Formate, sondern auch durch die intuitive Vorgehensweise mit intensivem Körpereinsatz arbeitet. Das Bild entsteht unmittelbar auf der Leinwand, ohne Vorzeichnung, zwar mit einem Plan, den er jedoch, so Brandl in einem Gespräch mit Ines Mitterer, „oft in dem Moment, in dem ich an die Leinwand gehe, schon über Bord geworfen habe.“ Es sei eine Mischung aus totaler Vorbereitung und der Bereitschaft, die Vorbereitung dann fallen zu lassen, um in etwas Unkontrolliertes überzugehen.

    Eine Serie an — durchwegs erhabenen — Berggemälden Herbert Brandls beruht übrigens auf Reinhold Messners 14 Achttausender-Alleingängen. Die Himalaya- und Karakorumriesen standen für Brandl Modell, der sie allerdings namenlos malte, weil er die Namensgebung schlicht für eine Zumutung und Eingrenzung hält, so wie er auch für seine eigenen Bilder kaum jemals einen Titel vergibt.

    Herbert Brandl. Exposed to Painting. Die letzten zwanzig Jahre

    Belvedere 21

    31. Jänner bis 24. Mai 2020

    Informationen: https://doi.org/www.belvedere.at

    Abb. 1
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    Privatsammlung, Wien | Courtesy Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Wien, Photo: Markus Wörgötter

    Abb. 2
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    Sammlung Angermair | Courtesy Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Wien, Photo: Markus Wörgötter

    Buch

    Satire und Tragödie aus dem besetzten Prag

    Die Statue von Felix Mendelssohn-Bartholdy auf dem Dach des ehemaligen Konzerthauses Rudolfinum in Prag, das von den Nationalsozialisten nach deren Machtübernahme kurzerhand in Haus der deutschen Kunst umbenannt wurde, irritiert den „Reichsprotektor von Böhmen und Mähren“ und Erfinder der Massenvernichtung von Juden und anderen vermeintlich nicht „wertvollen“ Menschengruppen, Reinhard Heydrich, schwer — und er verlangt die Entfernung. Das erweist sich als gar nicht so einfach, denn auf dem Dach befinden sich auch noch andere Komponistenfiguren wie z. B. Richard Wagner und die damit Beauftragten sind mit der Identifikation des unliebsamen Mendelssohn-Bartholdy überfordert.

    Der tschechische Autor Jiří Weil spinnt in seinem erst posthum 1960 erschienenen Roman „Mendelssohn auf dem Dach“ um diese satirische Episode die Geschichte der Schreckensherrschaft im Protektorat. Er lässt die menschlichen Unzulänglichkeiten, Bösartigkeiten und Grausamkeiten in den sehr persönlichen Miniaturen der Handelnden nachvollziehbar werden und verknüpft damit Realität und Fiktion zu einem Schauspiel, das zum Lachen ebenso wie zum Weinen bringt, die Freude ebenso wie die beklemmende Angst greifbar macht. Wie eine griechische Tragödie und das Leben mit all seinen Facetten einschließlich der absoluten Abgründe.

    Der 1900 im tschechischen Praskolesy geborene Jiří Weil überlebte als Jude die Zeit des Nationalsozialismus durch einen vorgetäuschten Selbstmord und verstarb 1959 an Leukämie. Der 1992 erstmals auf Deutsch erschienene Roman „Mendelssohn auf dem Dach“ wurde 2019 neu aufgelegt, nicht zuletzt auch passend zu dem heuer 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

    Jiří Weil:

    Mendelssohn auf dem Dach, Verlag Wagenbach, Berlin 2019, 288 Seiten, ISBN: 978-3-8031-3309-0,

    Preis: Klappbroschüre: 22,60- € / E-Book 18,99 €

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    Photo: © Wagenbach

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    freizeit & leben. ProCare 25, 50 (2020). https://doi.org/10.1007/s00735-020-1158-8

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