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ProCare

, Volume 24, Issue 9, pp 48–48 | Cite as

Von Doktoranden für Doktoranden

Die Zukunft der Pflegewissenschaft bei der 18. EDCNS in Graz
pflege & wissenschaft
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Vor 20 Jahren wurde die European Doctoral Conference in Nursing Science (EDCNS) von Univ.Prof.in Dr.in Christa Lohrmann ins Leben gerufen. Im vergangenen September fand die Konferenz zum vierten Mal in ihrer Geschichte in Graz statt. Mehr als 70 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus 17 europäischen und nicht-europäischen Ländern präsentierten ihre Dissertationsprojekte, diskutierten, tauschten sich aus und bildeten neue Netzwerke.

Die Idee von Gründerin Lohrmann, die seit seiner Etablierung 2006 dem Institut für Pflegewissenschaft an der Medizinischen Universität Graz vorsteht: Eine Konferenz, organisiert von Doktoranden für Doktoranden, um oftmals erste Erfahrungen in der Präsentation von wissenschaftlichen Projekten in englischer Sprache zu sammeln, sich mit Kollegen auszutauschen und fachliche Gespräche zu führen. Die Impulsvorträge spannten diesmal den breiten inhaltlichen Bogen von den philosophisch- theoretischen Grundlagen der Pflegewissenschaft bis zur Verbreitung von wissenschaftlichen Ergebnissen via Twitter.

Impulse von den Experten

Das Living Lab stand bei Prof. Jan Hammers, Universität Maastricht, Niederlande, Gründer und wissenschaftlicher Leiter des „Living Lab in Ageing in Long-Term Care“, im Fokus. Am Beispiel dessen erklärte Hammers, welche Komponenten, Schritte und Prozesse notwendig sind, damit ein derartiges Projekt gelingen kann. Das „Living Lab in Ageing in Long-Term Care“ stellt eine strukturierte Kooperation zwischen Universitäten und Pflegeeinrichtungen dar, die sich zum Ziel setzen, die Lebensqualität sowie Pflege- und Arbeitsqualität in den Langzeiteinrichtungen zu verbessern. Besonderes Merkmal: Das wissenschaftliche Personal der kooperierenden Universitäten, sogenannte Linking-pins, ist auch in den Langzeiteinrichtungen tätig. Die Hauptaufgaben der Linking-pins sind es, die Probleme aus der Praxis zu untersuchen, Maßnahmen zu entwickeln und zu evaluieren sowie neue effektive Maßnahmen zu implementieren.

Die Ergebnisse, die die Wissenschaft produziert, sollen Wirkung in der Praxis haben. Das war eine zentrale Aussage von Prof. Adam Gordon, Universität Nottingham, England, und er erklärte, wie dies erreicht werden kann sowie welche Rolle Social Media dabei spielen können. Unter dem Titel „Making Impact in the Real World — How We Make Our Research Count zeigte er, wie der zusätzliche Einsatz von Social Media in Kombination mit bereits bekannten Implementierungsstrategien wie zum Beispiel „knowlege brokers“ oder „community of practice“ zur verbesserten Verbreitung von Forschungsergebnissen beitragen kann.

Pflegetheorie für die Zukunft der Pflege

“Power of the past — Force of the future” lautete das Motto der EDCNS — die Bedeutung der Pflegetheorie für die Zukunft der Pflege stellte Prof. Maja Zumstein-Shaha, Fachhochschule Bern, Schweiz, in den Mittelpunkt ihrer Botschaft. In einem schnell ändernden Gesundheitssystem können Pflegetheorien als Fundament, als power of the past gesehen werden, der die Pflegepraxis beeinflussen kann. Auch die Entwicklung von neuen Theorien wird nach wie vor als bedeutend betrachtet, um Pflege erklären zu können.

Im Rahmen der Konferenz wurden die Erkenntnisse aus den Keynotevorträgen durch vielfältige Workshops, wie „Healthcare research und social media“, unter Leitung von Adam Gordon, „Epidemiologie in der Pflege“, geleitet von Priv.-Doz. Dr. Franziska Großschädl vom Grazer Pflegewissenschaftsinstitut, „Leitlinienentwicklung und GRADE“, geleitet von Dr. Daniela Schoberer, ebenfalls Pflegewissenschaft Graz, sowie philosophische Aspekte der Phänomenologie in der Pflegeforschung, unter Leitung von Maja Zumstein-Shaha, vertieft.

Ein breiter Bogen im „geschützten Rahmen“

Im „geschützten Rahmen“ der Kollegen, stellten die Doktoranden ihre Dissertationsprojekte vor: 37 internationale Forschungsstudien in insgesamt neun Sitzungen zu den Themen klinische Praxis, Instrumentenentwicklung, Gesundheitsberufe, Pflege älterer Personen, Palliativpflege sowie Pflege von demenz-erkrankter Personen. Mit insgesamt zwölf Beiträgen besonders stark vertreten waren Dissertationsprojekte, die die Berufsgruppe der Pflegenden beforschen, mit klassischen Themen wie Burnout, Belage der Ausbildung aber auch mit innovativen Themen wie „Technostress“. Eine Posterpräsentation gab mit 17 Projekten Einblicke in Studien zu Themen wie beispielsweise Schmerzmanagement oder assistive Technologien bei demenzerkrankten Personen.

Die nächste EDCNS findet von 18. – 19. September 2020 in Bern statt.

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© Springer-Verlag Wien 2019

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