LIFE+ Traisen: Der neue Fluss – die Umsetzung

  • Jürgen Eberstaller
  • Roland Schmalfuß
  • Doris Eberstaller-Fleischanderl
  • Hannes Gabriel
  • Thomas Kaufmann
  • Helmut Wimmer
  • Mathias Jungwirth
Originalarbeit
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Zusammenfassung

Die Mündung der Traisen wurde beim Bau des Donaukraftwerkes Altenwörth ins Unterwasser des Kraftwerkes verlegt und verläuft in diesem Abschnitt als reguliertes, geradliniges Gerinne durch das Natura-2000-Gebiet „Tullnerfelder Donauauen“. Im Zuge des LIFE+ Projekts wurde ein ca. 10 km langer, pendelnd-mäandrierender Flussabschnitt neu angelegt, der sich bei Hochwasser dynamisch verändern soll. In den angrenzenden Umlandabsenkungen entstanden vielfältige Standorte für einen durch natürliche Sukzessionsprozesse geprägten Auwald und Augewässer. Ab einem Abfluss der Größe eines etwa 1‑jährlichen Hochwassers (HQ1) trägt auch das bisherige, im Bestand belassene Flussbett zur Hochwasserabfuhr bei. Damit verbleibt bei bettbildenden Hochwässern (HQ1 bis HQ2) fast der gesamte Abfluss im neuen Flussbett und stellt eine ausreichende Dynamik sicher.

Durch die großräumige Geländeabsenkung bei der Errichtung des Flussbettes und seines angrenzenden Umlandes ergab sich ein Materialüberschuss von rd. 1,5 Mio. m3. Diese Kieskubatur wurde einerseits für die Geschiebebewirtschaftung im Bereich der Unterwassersicherung des Donaukraftwerkes Wien-Freudenau verwendet, andererseits auch der Bauwirtschaft zugeführt. Der Abtransport erfolgte in großen Teilen per Schiff über die Wasserstraße Donau. Rd. 1,6 Mio. m3 Feinsediment (Aulehm und Ausand) wurden nach der Kiesentnahme innerhalb des Projektgebietes im Bereich der Umlandabsenkungen wieder eingebaut, in geringem Umfang auch für randliche Vorschüttungen im alten Traisenbett genutzt.

Neben der Schaffung von rd. 30 ha fließgewässertypischen Lebensraums als Beitrag zur Erreichung des guten ökologischen Potenzials im angrenzenden Wasserkörper der Donau (d. i. der Stauraum des Donaukraftwerkes Greifenstein) liegen die Schwerpunkte des Projekts in der Herstellung der Durchgängigkeit des Mündungsabschnitts der Traisen für Fische und in der großflächigen Neuschaffung flussbegleitender Überflutungszonen (rd. 60 ha) mit der für das Europaschutzgebiet typischen Silberweidenau. Damit stellt dieses Projekt sowohl hinsichtlich Planungsraum als auch Bauvolumen das größte LIFE+ Natur-Projekt Österreichs dar und ist zugleich eines der größten Revitalisierungsvorhaben in Mitteleuropa.

Mit der Projektumsetzung wurde 2013 begonnen, die Fertigstellung der Baumaßnahmen erfolgte Ende des Jahres 2016. Erste Monitoringergebnisse belegen deutliche Verbesserungen der gewässerökologischen Verhältnisse.

LIFE+ Traisen – the Implementation

Abstract

The river Traisen is one of the biggest tributaries of the river Danube in Lower Austria. During the construction of the Danube hydro power plant of Altenwörth, the mouth of the river Traisen was relocated about 7.5 km downstream. This monotonously/heavily regulated river stretch runs through the Natura 2000 site “Tullnerfelder Donauauen”, Austria’s largest enclosed wetlands.

During the LIFE+ project an approx. 10 km long, meandering river segment was built, which is allowed to develop dynamically during floodwater situations. Approx. 30 ha of typical river habitats were created, which help to achieve the “good ecological potential” in the adjacent water body of river Danube (the water reservoir of the Danube hydro power plant Greifenstein). Another priority of the project was to re-connect the river Traisen to the river Danube and its’ fish population.

The adjacent area was lowered to create about 60 ha of floodplain habitats, especially silver willow riparian forest, typical for the Natura 2000 site.

The large-scale material removal during the establishment of the riverbed and its adjacent floodplain resulted in a material surplus of approx. 1.5 Mio. m3. Part of the gravel was used for sediment management downstream the Danube hydro power plant “Wien-Freudenau”. Most of the gravel was transported on the Danube inland waterway.

The project is the largest LIFE+ nature project in Austria, concerning planning area and construction volume either. It is also one of the largest revitalization projects in Central Europe. The project has started in 2013 and the construction has finished in 2016. First monitoring results show significant improvements of the ecological conditions.

Literatur

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Austria, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Jürgen Eberstaller
    • 1
  • Roland Schmalfuß
    • 2
  • Doris Eberstaller-Fleischanderl
    • 1
  • Hannes Gabriel
    • 3
  • Thomas Kaufmann
    • 4
  • Helmut Wimmer
    • 2
  • Mathias Jungwirth
    • 5
  1. 1.ezb TB Eberstaller GmbHWienÖsterreich
  2. 2.VERBUND Hydro Power GmbHWienÖsterreich
  3. 3.DonauConsult Ingenieurbüro GmbHWienÖsterreich
  4. 4.freiwasser – Arbeitsgemeinschaft für Ökologie, Kulturtechnik und WasserwirtschaftWienÖsterreich
  5. 5.Institut für Hydrobiologie und GewässermanagementUniversität für Bodenkultur WienWienÖsterreich

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