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Die Zukunft gestalten im Angesicht der Vergangenheit

Deutsche, Juden und betroffene Andere

Shaping the future by confronting the past

Germans, Jews and affected others

  • 98 Accesses

Zusammenfassung

Wir berichten über die vierte Gruppenkonferenz mit jüdischen und deutschen Teilnehmern, in der Mehrzahl Psychoanalytiker. Der Auftrag dieser Konferenz ist nach Hermann Beland „so etwas wie ein Selbstversuch von Deutschen und Israelis, um der unbewussten Identität beider Völker nach dem Holocaust in der Gegenwart der jeweils anderen Gruppe gewahr zu werden.“ Es besteht eine weit gehende Unfähigkeit, die Folgen der furchtbaren Ereignisse aus den Jahren zwischen 1933 und 1945 zu betrauern und mit ihren Auswirkungen zufrieden stellend umzugehen. Keine der Gruppen, weder die Deutsche noch die Israelische/Jüdische, kann ihre eigene innere Arbeit ohne die anderen tun. Deswegen wurde als Methode die einer Gruppenbeziehungskonferenz gewählt, die am Tavistock-Institut für menschliche Beziehungen in London entwickelt worden ist, bei der nicht die Einzelpersonen, sondern die Prozesse der Gruppe in Form von Groß- und Kleingruppen im Hier und Jetzt untersucht werden. In der vorliegenden Arbeit werden u. a. unerwartet starke Widerstände gegen die Veränderung bewusster und unbewusster innerer Bilder der eigenen, aber auch der anderen Gruppe gegenüber beschrieben. Dieser Prozess führte zu Lähmung und Zerrissenheit innerhalb der deutschen Gruppe, der wir durch die Anwesenheit der jüdischen Gruppe nicht ausweichen konnten. Für die Deutschen war es schwierig, die historisch gemeinsame Geschichte miteinander auszuhalten und zu betrachten. Jüdische Teilnehmer konnten eigene deutsch-österreichische Kindheitserinnerungen nicht als Teile ihrer Identität annehmen und mit den Deutschen in eine Verbindung bringen. Die Phantasie von Zerstörung und die unfruchtbare Wirkung von Spaltung waren in Teilnehmern aller Gruppen. Wir mussten fühlen, wie sehr die Schicksale der Deutschen und der Juden miteinander verkeilt sind, um die Anstrengung und Anspannung der Teilnehmer zu verstehen, neue Wege zu entwickeln.

Abstract

We report on the 4th Nazareth Conference with Jewish and German participants, most of whom are psychoanalysts. As Herman Beland has observed, these Conferences are intended to be “something like a self-experiment by Germans and Israelis to become, in the presence of the other group, aware of the unconscious identity of both people after the Holocaust.” There is still a widespread inability to mourn for the consequences of the terrible events in the years between 1933 and 1945 and deal satisfactorily with their effects. None of the groups, neither the German, nor the Israeli / Jewish, can do their own inner work without the other. For this reason, the method chosen as appropriate was the Tavistock-style “group relations conference”. This approach was developed by the Institute of Human Relations in London and does not focus on the individual’s behaviour but uses large and small groups to investigate group processes in the here and now. -The present work describes, among other things, the unexpectedly strong resistance towards changes of the conscious and unconscious inner images both of one’s own group and of the other. This process led to a feeling of hopelessness and paralysis within the German group that, due to the presence of the Jewish group, we could not avoid. For the Germans, it was hard to bear and observe the mutually shared history. Jewish participants were not able to accept their own German–Austrian childhood memories as a part of their own identity and connect them to the Germans. Each participant across the groups experienced the fantasy of destruction and the unfruitful effects of division. We had to feel how much the fate of the Germans and the Jews were interlocked to understand the participants’ tensions and efforts for opening new pathways.

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Literatur

  1. Beland H (2002) Gestillt mit Tränen — vergiftet mit Milch. Bericht von den Nazareth-Gruppenkonferenzen „Germans and Israelis — The Past in the Present“. In: Bohleber W, Drews S (Hrsg) Die Gegenwart der Psychoanalyse — Die Psychoanalyse der Gegenwart. Klett-Cotta, Stuttgart

  2. Kreuzer-Haustein U (1994) Deutsche und Israelis: die Vergangenheit in der Gegenwart. Forum Psychoanal 10:363–370

  3. Kreuzer-Haustein U (2001) Germans and Israelis: the Past in the Present. Forum Psychoanal 17:84–93

  4. Miller EJ (1989) The „Leicester“ Modell: experiental study of group and organizational processes. Original Paper Number 10. Tavistock Institute of Human Relations, London

  5. Nedelmann C (1998) Die Vergangenheit in der Gegenwart zwischen Juden und Deutschen. Forum Psychoanal 14:176–189

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Bringmann, A., Blank-Knaut, B. Die Zukunft gestalten im Angesicht der Vergangenheit. Forum Psychoanal 21, 387–397 (2005). https://doi.org/10.1007/s00451-005-0249-2

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