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Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie

, Volume 52, Supplement 4, pp 291–296 | Cite as

Demenzsensibilität in Akutkrankenhäusern

Warum die Umsetzung so schwierig ist, und wie sie dennoch gelingen kann
  • Sabine Kirchen PetersEmail author
  • Elisabeth Krupp
Themenschwerpunkt
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Zusammenfassung

Hintergrund

In Deutschland stellt sich immer noch die Frage, warum die Demenzsensibilität von Akutkrankenhäusern so wenig verbreitet ist, obwohl bereits fast vor zwei Dekaden die ersten Konzepte erfolgreich erprobt wurden.

Ziel des Beitrags

Die vorliegende Arbeit beschreibt in Form einer Übersicht Umsetzungsbarrieren und zeigt Wege zu einer besseren Praxis auf.

Material und Methoden

Die vorgestellten Ergebnisse der „Analyse zum Modellprogramm Demenz im Krankenhaus“ der Robert Bosch Stiftung basieren auf einer Dokumentenanalyse, auf der Auswertung von Fokusgruppen und Vernetzungstreffen sowie auf Experteninterviews. Zudem fließen Ergebnisse einer früheren Untersuchung des iso-Instituts für die Deutsche Alzheimer Gesellschaft ein.

Ergebnisse

Aus den Erfahrungen in Modellprojekten lassen sich typische Barrieren für eine demenzsensible Ausrichtung auf individueller, arbeitsorganisatorischer und übergeordneter Ebene beschreiben, deren Systematisierung einen Ansatzpunkt zur Überwindung dieser Hürden liefert. Zudem kann aus den Projekten eine Reihe von Gelingensfaktoren für die Umsetzung guter Praxis herausgearbeitet werden. So hat es sich als entscheidend herausgestellt, an der Haltung des Personals zu Menschen mit kognitiven Einschränkungen zu arbeiten und Abläufe an die besonderen Bedürfnisse dieser Patientengruppe anzupassen. In diesem Zusammenhang spielen die Leitungskräfte sowie eine fachlich fundierte Strukturierung von Veränderungsprozessen eine Schlüsselrolle.

Diskussion

Vielfältige Anregungen können Verantwortliche und Beschäftigte aus Akutkrankenhäusern zukünftig einem umfassenden Leitfaden des iso-Instituts zur modularen Implementierung demenzsensibler Krankenhäuser entnehmen, der durch erprobte und wirksame Handlungshilfen, Instrumente, Prozessbeschreibungen usw. unterlegt ist.

Schlüsselwörter

Kognitive Einschränkungen Patientenversorgung Barrieren Gute Klinische Praxis Programmnachhaltigkeit 

Dementia sensitivity in acute care hospitals

Why the implementation is so difficult, and how it can nevertheless succeed

Abstract

Background

In Germany, the question arises as to why the dementia sensitivity of acute care hospitals is still so uncommon even though the first concepts were successfully tested more than 20 years ago.

Objective

The aim of this article is to describe implementation barriers in an overview and to show ways to a better practice.

Material and methods

The results presented are based on a document analysis, the evaluation of focus groups and network meetings as well as on interviews with experts within the framework of a study for the Robert Bosch Foundation. In addition, the results of an earlier investigation of the iso institut for the German Alzheimer Society are included.

Results

Based on the experience gained in model projects, typical barriers for a dementia-sensitive orientation on individual, work organizational and superordinate levels are described. The systematization of the barriers provides a starting point for overcoming these hurdles. In addition, a number of success factors for the implementation of good practice can be worked out from the projects. It has been found to be crucial to work on the attitude of staff towards people with cognitive impairments and to adapt processes to the special needs of this patient group. In this context, management and a professionally sound structuring of change processes play a key role.

Discussion

In the future, managers and employees in acute care hospitals will be able to find a wide range of suggestions in comprehensive guidelines from the iso-Institute on the modular implementation of dementia-sensitive hospitals, which is backed up by tried and tested and effective aids to action, instruments, process descriptions, etc. The guidelines will also be available in the form of a comprehensive list of recommendations.

Keywords

Cognitive impairments Patient care Barriers Good clinical practice Program sustainability 

Notes

Förderung

Die open access-Publikation dieses Beitrags wurde von der Robert Bosch Stifung unterstützt.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

S. Kirchen Peters und E. Krupp geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.

The supplement containing this article is not sponsored by industry.

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e. V.SaarbrückenDeutschland

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