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Umzugsentscheidungen in Pflegeeinrichtungen bei älteren Menschen mit geistiger Behinderung

  • Friedrich DieckmannEmail author
  • Bianca Rodekohr
  • Christin Mätze
Themenschwerpunkt
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Zusammenfassung

Hintergrund und Fragestellung

Eine erhebliche Anzahl von älteren Menschen mit geistiger Behinderung (gB) zieht aus Wohndiensten der Eingliederungshilfe (EGH) in Pflegeeinrichtungen. Die Studie untersucht unter dem Aspekt der Selbstbestimmung, wie ältere Menschen mit gB und ihre Angehörigen an Umzugsentscheidungen beteiligt werden und welche Sachverhalte Umzüge herbeiführen.

Material und Methode

In allgemeinen und speziellen Pflegeheimen in Westfalen-Lippe wurden quantitative Befragungen durchgeführt. Fallstudien fokussierten darüber hinaus Umzugsentscheidungen in drei verschiedenartigen speziellen Pflegeeinrichtungen aus unterschiedlichen Perspektiven mithilfe qualitativer Interviews.

Ergebnisse

Umzugsentscheidungen wurden zum einen durch die mangelnde Passung und Anpassung der Unterstützung an die Bedarfe älterer Bewohner/‑innen in Wohneinrichtungen der EGH, zum anderen durch organisationale Interessen der Pflegeeinrichtungen vorstrukturiert. Bewohner/‑innen und Angehörige wurden unzureichend beraten und an Umzugsentscheidungen beteiligt.

Schlussfolgerung

Die Selbstbestimmung von älteren Menschen mit gB bei Umzugsentscheidungen ist durch Wahlmöglichkeiten und die Einbeziehung einer unabhängigen Beratung zu stärken. Die spezifische Funktion von speziellen Pflegeeinrichtungen für Menschen mit gB im Alter sollte geklärt werden.

Schlüsselwörter

Wohnen Selbstbestimmung Entscheidungsfindung Umzug Interview 

Relocation decisions to nursing homes for older persons with intellectual disability

Abstract

Background and objective

A relevant number of older persons with intellectual disability (ID) moves from residential settings in the disability sector to nursing homes. The study analyzes from the perspective of self-determination, which factors lead to moves to nursing homes and to what extent older persons with ID and their relatives participate in decision-making.

Material and methods

Quantitative telephone interviews and surveys were conducted in general and specialized nursing homes in Westphalia-Lippe. In three specialized nursing homes, qualitative interviews focused on relocation decisions from different perspectives.

Results

Decisions to move were induced on one hand by the insufficient fit and adaptation of the support to the needs of older residents in settings of the disability sector. On the other hand, organizational interests of the nursing homes influenced the decisions. The counselling of residents and their relatives and the participation in decision making were inadequate.

Conclusion

Efforts should be taken to strengthen self-determined relocation decisions of older persons with ID. The specific function of specialized nursing homes for aged persons with ID has to be clarified.

Keywords

Dwelling/housing Self determination Decision making Relocation Interview 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

F. Dieckmann, B. Rodekohr und C. Mätze geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Alle Interviewpartner/‑innen und rechtlichen Betreuer wurden über Ziel und Vorgehen der Untersuchung schriftlich und mündlich informiert, bevor sie eine Einverständniserklärung unterschrieben haben. Mit Menschen mit Behinderung wurde dabei in einfacher Sprache kommuniziert. Die Studie wurde vom Bundesminsterium für Bildung und Forschung gefördert (13FH003SX5).

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Friedrich Dieckmann
    • 1
    Email author
  • Bianca Rodekohr
    • 1
  • Christin Mätze
    • 1
  1. 1.Institut für TeilhabeforschungKatholische Hochschule NRW, Abt. MünsterMünsterDeutschland

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