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Horst Meister

29.02.1940–29.11.2017
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Horst Meister

29 February 1940–29 November 2017
Horst Meister, niedergelassener Pathologe in Biberach, Baden-Württemberg, wurde am 29. Februar 1940 in Köln geboren. Er studierte von 1961–1968 Medizin ebenfalls in Köln und absolvierte dort seine Medizinalassistentenzeit, davon 15 Monate am Gerichtsmedizinischen Institut der Universität. Nach der Approbation 1970 spielte er mit dem Gedanken, Gerichtsmediziner zu werden. Im Weiterbildungskatalog dieses Faches war eine Pflichtzeit von 1 Jahr Pathologie vorgesehen, die er auf Empfehlung seines damaligen Chefs, Prof. Dr. G. Dotzauer, in der von Otto Haferkamp geleiteten Abteilung Pathologie I an der Universität Ulm ableisten sollte. Aus dem 1970 begonnenen einjährigen Aufenthalt wurde dann letztendlich eine komplette Weiterbildung im Fach Pathologie, die 1976 erfolgreich mit der Facharztanerkennung abgeschlossen wurde. Zwischenzeitlich promovierte er 1972 zum Dr. med. Nicht nur für Horst Meister, sondern auch für Walter Schachenmayr, später Ordinarius für Neuropathologie in Gießen und auch für mich, später in Tübingen, als seine begleitenden wissenschaftlichen Koassistenten, waren die Ulmer Gründungsjahre auch faszinierende Ausbildungsjahre, die unser späteres Berufsleben entscheidend mitgeprägt haben.

Horst Meister

Die Universität Ulm wurde 1967 als Medizinisch-Naturwissenschaftliche Hochschule gegründet. 1969 erfolgte die Berufung von Otto Haferkamp und Günter Beneke als Gründungsordinarien für das Fach Pathologie. Der studentische Unterricht für das Fach Pathologie sollte 1972 aufgenommen werden. Beide Abteilungsleiter standen vor dem Problem, dass aus dem Nichts heraus die Lehre, Forschung und auch mittelbare Krankenversorgung organisiert werden mussten. Sämtliche Mitarbeiter wurden sehr gezielt in die Organisation dieser Aufbauphase integriert, wurden mit zahlreichen unterschiedlich schweren, aber lösbaren Aufgaben vertraut gemacht und waren somit hoch motiviert. Bei der mittelbaren Krankenversorgung stellte sich relativ schnell heraus, dass – unabhängig von wirtschaftlichen Erwägungen – das bioptische und autoptische Untersuchungsmaterial aus den Universitätskliniken nicht ausreichte, um bei voller Weiterbildungsermächtigung beider Abteilungsleiter den zahlreichen Weiterbildungsassistenten eine zahlenmäßig als auch zeitlich angemessene Facharztausbildung zu ermöglichen. Es war der ausschließliche Verdienst von Otto Haferkamp (Beneke war 1974 unerwartet verstorben), dass er in fairen Gesprächen mit den Inhabern der bereits seit Jahren in Ulm etablierten Gemeinschaftspraxis E. Schairer und Ch. Worbes es erreichte, dass großzügig und durchaus wohlwollend ein Teil ihres Untersuchungsgutes an die Universitätspathologie abgetreten wurde. Man sah sich nicht als Konkurrent, sondern als Partner. Teilweise wurden auch wir als Weiterbildungsassistenten in diese Verhandlungen, die auch mit auswärtigen Krankenhäusern geführt wurden, eingebunden, um uns schon frühzeitig auf den z. T. harten beruflichen und berufspolitischen Alltag der außeruniversitären Medizin aufmerksam zu machen.

Schon während seiner Ausbildung zeichnete sich ab, dass Horst Meister sein endgültiges berufliches Ziel nicht an der Universität, sondern als Selbständiger in der freien Praxis als niedergelassener Pathologe suchte. Den ersten Schritt hierzu vollzog er, als er 1977 als gleichberechtigter Partner in die von Schairer und Worbes geleitete Ulmer Gemeinschaftspraxis für Pathologie einstieg. Diese Praxis betreute ein riesiges Einzugsgebiet, das nahezu ganz Süd-Württemberg und Teile der Ostalbregion in Nord-Württemberg umfasste. Als Mitte der 1980er-Jahre E. Schairer aus Altersgründen die Gemeinschaftspraxis verließ und Manfred Holzwarth – ebenfalls Haferkamp-Schüler – nach einer gewissen Einarbeitungsphase neuer gleichberechtigter Partner wurde, nutzte Horst Meister 1987 nach Rücksprache mit seinen Kollegen die Gelegenheit, um endgültig sein ursprüngliches Berufsziel zu verwirklichen: die Gründung einer eigenen Praxis für Pathologie, lokalisiert im Landkreis Biberach, Oberschwaben, Baden-Württemberg. Als Niederlassungsform wählte er als einer der Ersten die damals vom Berufsverband empfohlene „Niederlassung im Krankenhaus“, bei der „die Kooperation zwischen den Kliniken des Landkreises Biberach und Herrn Dr. Meister als niedergelassenen Pathologen vor Ort“ vertraglich geregelt wurde. Sitz der Praxis war das Krankenhaus in Biberach, das ihm adäquate Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Die Praxisgründung war von Beginn an von Erfolg begleitet: Das bioptische Untersuchungsgut erreichte sehr schnell die obere Kapazitätsgrenze, pro Jahr wurden von ihm um die 150 Obduktionen durchgeführt. Trotz attraktiver Angebote widerstand er der Versuchung, sein Einzugsgebiet zu Lasten benachbarter Kollegen über den Landkreis Biberach hinaus zu vergrößern. Das Krankenhaus Biberach war akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Ulm. Er führte erstmalig für die Medizinstudenten im Praktischen Jahr die regelmäßig stattfindende klinisch-pathologische Konferenz als curriculare Lehrveranstaltung in den Unterricht ein. Die Krankenhausärzte und niedergelassene Kollegen nutzten sie als willkommene Fortbildungsveranstaltung. Aufgrund seiner fachlichen Kompetenz und seiner gereiften Persönlichkeitsstruktur (immer noch mit erkennbarem rheinisch-kölschem Einschlag – und das im urschwäbischen Oberland) war Horst Meister für den Biberacher Kollegenkreis als „unser Pathologe“ ein gefragter und vertrauenswürdiger Gesprächspartner. Standespolitisch war er ständiges Mitglied des Weiterbildungsausschusses der Landesärztekammer Baden-Württemberg.

Obwohl er sich seinen Berufstraum einer von ihm geführten Einzelpraxis erfüllt hatte, musste er sich eingestehen, dass die Arbeit in dieser Fülle und Intensität alleine nicht mehr zu bewältigen war. Er stellte Dr. med. Quasem Quasem, zeitweise ebenfalls Haferkamp-Schüler, zunächst als Weiterbildungsassistenten ein, um ihn dann nach bestandener Facharztprüfung 1992 in die jetzt gegründete Gemeinschaftspraxis als Partner zu übernehmen.

Eine sich langsam entwickelnde Verschlechterung seines Gesundheitszustands veranlasste ihn, 2001 aus der Gemeinschaftspraxis auszusteigen, die von Quasem Quasem bis heute wiederum als Einzelpraxis weitergeführt wird. Den wohlverdienten Ruhestand nutzte er, um mit seiner zweiten Ehefrau Carmelitta (seine erste Ehefrau Rita war durch einen tragischen Unfall 1998 in der Türkei ums Leben gekommen) auf ausgedehnte Reisen zu gehen. 2012 wählte er als endgültigen Wohnsitz das Haus seiner Schwiegereltern in Oberstdorf/Allgäu, in dem wir im Freundes- und Kollegenkreis seinen 75. Geburtstag noch zünftig gefeiert haben. Die von ihm geliebten Bergwanderungen z. T. in hochalpine Regionen z. B. Großer Widderstein (2553 m) sowie die ausgedehnten Skitouren z. B. Ifen 2000, zu denen wir uns noch zu meiner Ulmer Zeit sporadisch im Kleinwalsertal verabredet haben, waren zu diesem Zeitpunkt zunächst nur noch eingeschränkt, später nicht mehr möglich.

Er verstarb am 29. November 2017.

Horst Meister war ein begeisterter und begeisternder Pathologe, der es im Sinne seines Lehrers Otto Haferkamp verstanden hat, das Fach Pathologie aus dem Elfenbeinturm der Theoretischen Medizin in den lebendigen Alltag der klinischen Medizin als willkommenen Partner auf Augenhöhe zu integrieren. Er hat sich somit als niedergelassener Pathologe in hervorragender und nachahmenswerter Weise um unser Fach verdient gemacht.

Burkhard Bültmann

Rottenburg/Tübingen

Notes

The supplement containing this article is not sponsored by industry.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Rottenburg am Neckar/TübingenDeutschland

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