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Der Orthopäde

, Volume 48, Issue 12, pp 991–991 | Cite as

Sport: Höher, schneller, weiter …

  • M. JägerEmail author
Einführung zum Thema
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Sport: higher, faster, further …

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

per Definition ist Sport durch eine intensive körperliche oder geistige Betätigung mit Leistungsanspruch gekennzeichnet. Sportler messen sich in Wettkämpfen, während es für Schüler ein Unterrichtsfach ist. Freizeitsportler erleben Freude bei Gruppenaktivitäten, während Sport ebenso dazu beiträgt, die Mobilität nach einer Verletzung oder einer Operation wiederzuerlangen. Somit ist die Bedeutung, welche unsere Patienten und wir dem Sport zumessen, höchst individuell. Diese reicht von einer lästigen Notwendigkeit zur Gewichtsreduktion über ein Mittel zur Selbstoptimierung bis hin zur Freude an sozialen Kontakten, und kann im Hochleistungssport religionsähnliche und sogar destruktive Elemente annehmen. Wird Sport in exzessivem Umfang betrieben, führt dies nicht nur zu Schäden am Stütz- und Bewegungsapparat, sondern erhöht auch das Risiko für psychische Störungen. Hierzu gehören unter anderem Essstörungen, Substanzmissbrauch („Doping“) sowie die Sportabhängigkeit.

Ausgehend vom englischen „disport“ bzw. dem Altfranzösischen „desport“ wird ersichtlich, dass Sport auch „Zerstreuung“ und „Vergnügung“ implementiert, während das ursprüngliche lateinische Wort deportare (fortbringen) auf die Verbindung zur Bewegung hinweist.

Sport ist konservativ (Olympia!) und progressiv zugleich, denkt man daran, wie sehr soziale Netzwerke und die Digitalisierung in diesem übergeordneten Gebiet inzwischen vorangeschritten sind.

Als Orthopäden und Unfallchirurgen erleben wir zudem immer häufiger, wie Angebote der Fitness- und Wellnessindustrie dieses medizinische Kerngebiet dominieren. Unter einem hohen ökonomischen Potenzial verschwinden im Einzelfall durchaus die Grenzen zwischen Suggestion und Wunsch auf der einen, und wissenschaftlicher Erkenntnis auf der anderen Seite.

Die Mehrzahl an Sportlern mit Funktionseinschränkungen oder Schmerzen am muskuloskelettalen System stellen sich beim niedergelassenen Arzt oder in orthopädisch-unfallchirurgischen Schwerpunktabteilungen vor. Die Therapie ist häufig nicht operativ. Ist dennoch eine Operation erforderlich, kann diese meist ambulant durchgeführt werden. Nur selten ist ein mehrtägiger stationärer Aufenthalt erforderlich. Da es sich bei den Patienten nicht nur um verletzte, sondern auch um körpergesunde Kollektive mit einer hohen Eigenmotivation handelt („Leistungsoptimierung“), sehen wir in unserer klinischen Praxis nicht selten fehlgeleitete Sportler mit typischen Pathologien am Stütz- und Bewegungsorgan. Diese gilt es frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Aber auch der ältere Mensch mit eingeschränkter Mobilität profitiert von Programmen zur körperlichen Ertüchtigung. Trainierbarkeit beschränkt sich hierbei keineswegs auf ein definiertes Lebensalter, sodass Sport auch bei betagten Patienten zum Erhalt ihrer Leistungsfähigkeit und sozialen Teilhabe beiträgt.

Dieses Themenheft greift gezielt einzelne Sportarten und aktuelle Thematiken auf. So hat der Klettersport mittlerweile im Flachland eine hohe Popularität erlangt. Während jahrzehntelang primär Knie- und Sprunggelenke im sportmedizinischen Fokus des Fußballsports standen, haben Pathologien des Hüftgelenks mittlerweile eine große Bedeutung erlangt. Die Einführung elektrobetriebener Unterstützungssysteme hat den Radsport revolutioniert. E‑Bikes haben nicht nur den Aktionsradius von körperlich eingeschränkten Menschen deutlich erweitert. Sie werden mittlerweile auch im Profiradsport verwendet um die Fahrtechnik bei hohen Geschwindigkeiten zu trainieren. Durch die Einführung sportartenspezifischer digitaler Messsysteme wird es möglich, statistisch reliable Datenbanken auch für den Freizeitsport zu generieren, während Algorithmen der künstlichen Intelligenz dem Orthopäden objektivierbare Kriterien bei der Einschätzung zur Wettkampftauglichkeit nach einer Verletzung zur Verfügung stellen. Orthopäden und Unfallchirurgen sollten detaillierte Fragestellungen zu Training und Trainierbarkeit kompetent beantworten. Uns kommt an dieser Stelle eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und Verantwortung zuteil. Um sich dieser zu stellen, ist eine stete Fort- und Weiterbildung in diesem progressiven Bereich der Orthopädie essenziell. Dieses Themenheft soll hierzu einen Beitrag leisten.

Marcus Jäger

Notes

Interessenkonflikt

M. Jäger gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Lehrstuhl für Orthopädie und UnfallchirurgieUniversität Duisburg-EssenMülheim/RuhrDeutschland

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