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Tumorendoprothetischer Ersatz nach Sarkomresektionen

Tumour endoprosthetic replacement after sarcoma resection

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sarkome des Bewegungsorgans sind glücklicherweise selten, zählen jedoch zu den schwerwiegendsten Diagnosen in unserem Fachbereich. Noch vor wenigen Jahrzehnten erforderten diese Erkrankungen fast regelhaft eine Amputation. Infolge maßgeblicher medizinischer Fortschritte lässt sich heute bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten ein extremitätenerhaltendes Vorgehen realisieren. Hieran haben einerseits die immer effizienter gewordene adjuvante und neoadjuvante Chemotherapie und die Strahlentherapie einen großen Anteil. Andererseits wurden für die Wiederherstellung von Knochensegmenten und Gelenken nach Sarkomresektionen Tumorendoprothesen entwickelt, welche mittlerweile im therapeutischen Algorithmus fest etabliert sind. Deren Einsatz an unterschiedlichen Lokalisationen des ausgewachsenen und wachsenden Skeletts sowie die Prophylaxe und Behandlung assoziierter Komplikationen sollen im vorliegenden Themenheft näher beleuchtet werden.

“Sarkome des Bewegungsorgans sind selten, zählen jedoch zu den schwerwiegendsten Diagnosen”

In ihrer Arbeit zum endoprothetischen Totalersatz langer Röhrenknochen beschreiben von Eisenhart-Rothe und Kollegen aus München im ersten Beitrag dieses Hefts die individuellen Voraussetzungen und Herausforderungen an Femur, Humerus und Tibia und geben einen Überblick über klinische Ergebnisse, Probleme und Komplikationsraten sowie die historische Entwicklung dieser Operationstechnik.

Unsere eigene Arbeit befasst sich mit Diaphysenprothesen zur knöchernen Rekonstruktion nach interkalarer Resektion. Wir können zeigen, dass die kurz- bis mittelfristigen Ergebnisse für diesen Prothesentyp zufriedenstellend sind. Aufgrund potenzieller Spätkomplikationen kommen jedoch insbesondere bei jüngeren Patienten und unter kurativem Ansatz biologische Alternativen wie Knochentransplantate, Kallusdistraktion/Segmenttransport oder die Masquelet-Technik zum Einsatz.

Die Gruppe um Windhager aus Wien stellt Wachstumsprothesen als eine wertvolle Alternative zu Amputation und Umkehrplastik bei der Behandlung von Knochen- und Weichteilsarkomen im Kindesalter dar. Ihre Literaturübersicht macht deutlich, dass bei insgesamt niedrigen Fallzahlen zwar sehr zufriedenstellende funktionelle Ergebnisse beschrieben sind, hohe Infektions- und mechanische Versagensraten jedoch ein Problem darstellen.

Hardes und Streitbürger aus Essen beleuchten im folgenden Artikel die innovative Technik der Stumpfaufbauplastik. Hierbei erlaubt die Implantation eines speziellen proximalen Femurersatzes die Transformation einer Hüftexartikulation in eine Oberschenkelamputation. Dies resultiert in einer verbesserten exoprothetischen Versorgung und einem ansprechenderen kosmetischen Erscheinungsbild ohne die lokale Tumorkontrolle zu vernachlässigen, birgt jedoch die Gefahr einer Stumpfperforation.

Hinsichtlich der Silberbeschichtung auf Tumorendoprothesen wird von Leithner und Kollegen anhand ihrer aktuellen Literaturuntersuchung betont, dass diese einen Vorteil hinsichtlich Revisionsraten aufgrund septischer Komplikationen haben kann, vor allem bei schwierigen Weichteilverhältnissen und multimorbiden Risikopatienten. Erhöhte Serum- oder Urinkonzentrationen für Silberionen scheinen daraus nicht zu resultieren und die seltene lokale Argyrie ein überwiegend kosmetisches Problem darzustellen.

Die Arbeit der Dresdner Arbeitsgruppe um Schaser belegt, dass Rekonstruktionen mit Tumorendoprothesen im Vergleich zur Primärendoprothetik deutlich erhöhte Komplikationsraten und reduzierte funktionelle Resultate aufweisen. In diesem Beitrag werden die häufigsten Komplikationen, wie periprothetische Infektion oder Fraktur, lokales Tumorrezidiv, aseptische Lockerung sowie spezifische Versorgungsprobleme an Knie oder oberer Extremität, erörtert sowie deren Management dargestellt.

Interdisziplinär abgerundet wird dieses Themenheft schließlich durch den Beitrag der Homburger Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, in dem Niewald und Rübe Diagnose, Indikation, Planung, Durchführung und Prognose der Strahlentherapie bei der Behandlung von Knochensarkomen diskutieren. Ein besonderer Fokus wird hierbei auf die Interaktion zwischen Strahlung und einliegender Prothese und das damit verbundene Komplikationsrisiko gelegt.

Wir hoffen, dass dieses Themenheft zur Klärung einiger klinisch relevanter Fragen in Bezug auf den tumorendoprothetischen Ersatz nach Sarkomresektionen unter Berücksichtigung der aktuellen Literatur beitragen kann, und wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

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Prof. Dr. med. Patrick Orth

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Prof. em. Dr. med. Dieter Kohn

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Correspondence to Prof. Dr. med. Patrick Orth or Prof. em. Dr. med. Dieter Kohn.

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P. Orth und D. Kohn geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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Orth, P., Kohn, D. Tumorendoprothetischer Ersatz nach Sarkomresektionen. Orthopäde 48, 553–554 (2019). https://doi.org/10.1007/s00132-019-03761-2

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