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Der Orthopäde

, Volume 47, Issue 8, pp 619–620 | Cite as

Distales Radioulnargelenk – ein Update

  • C. K. Spies
  • F. Unglaub
Editorial
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The distal radioulnar joint—an update

Liebe Leserinnen und Leser,

aus phylogenetischer Sicht hat das distale Radioulnargelenk eine herausragende Stellung nicht nur für die obere Extremität, sondern für die gesamte Entwicklung des Menschen. Es vergingen beinahe 400 Mio. Jahre bis zur gegenwärtigen Konfiguration dieses Gelenks. Das distale Radioulnargelenk ermöglicht die Pronosupination des Unterarms von bis zu 180° bei gleichzeitig garantierter Stabilität. Damit war im Laufe der Evolution nicht nur die Brachiation als äußerst wichtiger Entwicklungsschritt zur bipedalen Lokomotion möglich, sondern auch der zielgerichtete Einsatz von Werkzeugen, der einen entscheidenden Durchbruch für die Evolution des Menschen bedeutete.

Die Arbeitsgruppe aus Münster mit Professor Martin Langer und Bad Rappenau haben sich diesem wichtigen Thema im Kapitel „Anatomie und Biomechanik des distalen Radioulnargelenks“ angenommen.

Viele Krankheitsbilder an der Handwurzel sind komplex und nicht immer auf den ersten Blick einzugrenzen

Viele Krankheitsbilder an der Handwurzel sind komplex und nicht immer auf den ersten Blick einzugrenzen, umso wichtiger ist ein strukturierter und systematischer klinischer Untersuchungsgang. Die Gruppe um Dr. Stefan Quadlbauer und Professor Martin Leixnering aus Wien haben sich dieser Thematik im Kapitel „Klinische Untersuchung des distalen Radioulnargelenks“ erfrischend und chirurgisch prägnant angenommen.

Nicht immer reicht die klinische Untersuchung zur suffizienten Diagnostik und vor allem präoperativen Planung aus. Dann sind radiologische Verfahren gefragt, die aber sinnvoll und präzise eingesetzt werden sollten. Professor Rainer Schmitt aus Bad Neustadt an der Saale vermittelt im Kapitel „Radiologie des distalen Radioulnargelenks und des ulnokarpalen Komplexes“ einen hervorragenden und vor allem fokussierten Überblick über dieses Themengebiet.

Die Arthroskopie des distalen Radioulnargelenks erlangt sowohl als diagnostisches Instrument als auch als therapeutisches Verfahren einen immer größeren Stellenwert. Privatdozent Thomas Pillukat und Mitarbeiter aus Bad Neustadt an der Saale haben sich diesem Verfahren im Kapitel „Die Arthroskopie des distalen Radioulnargelenks (DRUG)“ sehr eingehend gewidmet.

Mit dem zunehmenden Wissen über die Genese der Instabilitäten im distalen Radioulnargelenk und den heutigen präzisen Einteilungen der TFCC(triangulärer fibrokartilaginärer Komplex)-Läsionen werden auch die Nahttechniken dieser Bandstrukturen zunehmend ausgefeilter. Doktor Heinrich Tünnerhoff aus Marbach stellt dies im Kapitel „Nahttechniken am Diskus“ chirurgisch einleuchtend vor.

Die Unterarmrotation basiert natürlich nicht nur auf einem funktionierenden distalen Radioulnargelenk, sondern auch immer auf einem intakten proximalen Radioulnargelenk. Diesen biomechanisch und vor allem klinisch wichtigen Aspekt hat die Arbeitsgruppe um Professor Lars Müller und Dr. Johannes Oppermann aus Köln und Privatdozent Klaus Burkhart aus Pforzheim hervorragend didaktisch im Kapitel „Das proximale Radioulnargelenk unter Berücksichtigung des distalen Radioulnargelenks“ dargelegt.

Die Prävalenz degenerativ bedingter Läsionen am Discus ulnocarpalis steigt mit zunehmendem Alter. Diese Verletzungen spielen eine große Rolle in der täglichen Praxis. Doktor Steffen Löw aus Bad Mergentheim hat sich diesem Schwerpunkt im Kapitel „Diagnostik und Therapie der degenerativen Diskusläsion“ eingehend und enthusiastisch angenommen.

Auch die Endoprothetik macht vor dem distalen Radioulnargelenk nicht halt und mittlerweile können den Patienten sehr gute Verfahren angeboten werden. Die richtige Indikation zu diesen Therapiemaßnahmen ist immens wichtig. Professor Michael Sauerbier und Mitarbeiter aus Frankfurt haben dieses äußerst spannende Thema aus klinischer Sicht im Kapitel „Endoprothetik am distalen Radioulnargelenk“ herausragend aufgearbeitet.

Durch weiterführende Forschungen um das distale Radioulnargelenk gewinnt man Erkenntnisse über Krankheitsbilder, die vor Jahren noch nicht diagnostiziert bzw. adäquat therapiert wurden. Professor Hermann Krimmer aus Ravensburg stellt das Impingementsyndrom des distalen Radioulnargelenks im Kapitel „Die Therapie des Impingementsyndroms im distalen Radioulnargelenk“ eindrücklich vor und präsentiert ein innovatives und erstklassiges chirurgisches Verfahren.

Wir freuen uns, Ihnen einen umfassenden und klinisch fokussierten Überblick über dieses evolutionär äußerst wichtige Gelenk geben zu können, und wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen.

F. Unglaub

Notes

Interessenkonflikt

C.K. Spies und F. Unglaub erhielten Forschungsgelder für biomechanische und klinische Studien am distalen Radioulnargelenk von der Richard und Annemarie Wolf Stiftung.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Vulpius Klinik GmbHBad RappenauDeutschland
  2. 2.Medizinische Fakultät MannheimUniversität HeidelbergMannheimDeutschland

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