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Der Orthopäde

, Volume 47, Issue 12, pp 975–976 | Cite as

Der Orthopäde ist kein Publikationssupermarkt des Fachs

  • V. EwerbeckEmail author
Editorial

Der Orthopäde is not a publication supermarket of science

Sehr geehrte Leserinnen,

sehr geehrte Leser,

„Der Orthopäde ist ein international angesehenes Publikationsorgan und widmet sich allen Aspekten der Orthopädie und ihrer Nachbargebiete.“ So steht es in der Zielsetzung der Zeitschrift unter dem Inhaltsverzeichnis eines jeden Heftes. Das ist ein großes Ziel. Allen Aspekten unserer Nachbargebiete können wir uns wohl nicht widmen, wohl aber – und dieses Ziel bleibt bestehen – denjenigen unseres Fachs. Vergegenwärtigt man sich dessen enorme Breite, angefangen bei der grundlagenorientierten Forschung über die angewandte Forschung, die Versorgungsforschung, die konservativen und operativen Therapieansätze aller Erkrankungen der Haltungs- und Bewegungsorgane einschließlich der Rehabilitationsmedizin und der Schmerztherapie bis hin zur Behandlung von Traumafolgen, drängt sich die Frage auf, ob dies beim besten Willen nicht zu viel ist, und ob daraus am Ende nicht eine Art Publikationssupermarkt werden könnte, in dem – im übertragenen Sinne – vom täglichen Nahrungsmittelbedarf bis zur Bekleidung, Bürogeräten und Freizeitsportausrüstung nahezu alles erhältlich ist.

Natürlich sind wir nicht dieser Meinung. Die Leser unserer Zeitschrift sind klinisch und akademisch trainierte, voll ausgebildete Fachärzte, die meisten mit einer zusätzlichen Spezialisierung. Darauf aufbauend möchten Sie ganz offensichtlich über klinische und wissenschaftliche Entwicklungen Ihres Mutterfaches in seiner ganzen Breite informiert sein. Genau dies gewährleistet das Konzept unserer Zeitschrift, wie Sie es seit vielen Jahren kennen. Das gilt sowohl für die Themenhefte, als auch die Hefte wie dieses, welches sich ausschließlich Originalien widmet, die sich – jede für sich – naturgemäß nur mit einer einzigen wissenschaftlichen Fragestellung beschäftigen können. In der Summe und über die Zeit gelingt es indessen sehr wohl, diesen breiten Überblick über unsere Themenauswahl zu erhalten.

In diesem Heft gibt es drei Publikationen, die sich mit Themen der Behandlungen von Wirbelsäulenerkrankungen beschäftigen, drei weitere zum Thema der Gelenkersatzchirurgie und deren Umfeld, unter anderem auch der präoperativen konservativen Therapie, einen Beitrag zur Infektiologie und einen weiteren Beitrag zu einem Thema aus der Osteologie im Grenzbereich zur Onkologie (Morbus Gorham-Stout).

Die Themenschwerpunkte in diesem Heft spiegeln die Versorgungszahlen in Deutschland wieder

Die Themenschwerpunkte in diesem Heft, nämlich die Wirbelsäulenchirurgie und die Endoprothetik, spiegeln ein Stück weit die Versorgungszahlen in Deutschland wieder, die eben diesen Schwerpunkt auch haben. Ob die so bleiben werden, sei dahingestellt. Eine wissenschaftliche Fachzeitschrift kann auch die Aufgabe haben, Entwicklungen und Trends kenntlich zu machen, und auf sogenannte mögliche „Gamechanger“ frühzeitig aufmerksam zu machen. Sie kündigen sich stets durch Publikationen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse an, von denen sich eine als bahnbrechend erweisen kann. Es ist nicht sicher, ob die Versorgungsrealität, wie sie sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt in Deutschland darstellt, auch in Zukunft bleibt wie sie ist. Wir wissen nicht, wie dick das Eis ist, auf dem sich der hoch selektiv tätige Endoprothetiker, der ausschließlich elektiv tätige Wirbelsäulenchirurg bewegt. Andere Fachgebiete, wie die Viszeralchirurgie, die Gefäßchirurgie oder die Rheumatologie, können ein Lied davon singen, welch dramatischen Einfluss der wissenschaftliche Fortschritt auf das Spektrum ihres Fachs, die zur Verfügung stehenden Methoden und den beruflichen Alltag ihrer Ärztinnen und Ärzte gehabt hat.

Ein weiteres spannendes Thema wird Ihnen nach Durchsicht dieses Heftes sicher ebenfalls auffallen:

Wie verträgt sich die Internationalisierung unserer Zeitschrift mit unserem Anspruch, in allererster Linie für die Bedürfnisse unserer deutschsprachigen Leserschaft zu publizieren? Die Themenschwerpunkte dieses Heftes spiegeln – wie erwähnt – zwar die Versorgungsrealität in Deutschland wieder, jedoch stammen alle wissenschaftlichen Originalbeiträge zum Thema der Wirbelsäulenchirurgie dieses Heftes aus China. Wissenschaftliche Erkenntnisse, wie sie in diesen Beiträgen publiziert werden, sind nicht abhängig von der Versorgungsrealität, und somit auch nicht vom Land, aus dem diese Beiträge stammen. Insofern ist diese Art von Wissenschaft systemunabhängig. Für die Versorgungsforschung gilt das nicht. Dies wird aus dem Beitrag von T. Lange und Mitarbeitern zur Verordnungshäufigkeit physikalischer Therapien und Analgetika vor dem Einsatz einer Hüft- beziehungsweise Kniegelenksendoprothese in Deutschland unmittelbar deutlich. Es bleibt dabei, dass Der Orthopäde ein deutschsprachiges Organ ist und dennoch internationale Beiträge einwerben will und muss. Wir wissen, dass wir uns in der Konkurrenz der höherspezialisierten Fachzeitschriften befinden. Genau in diesem Wissen scheint mir die Breite unseres Konzepts ein Alleinstellungsmerkmal, und damit vorteilhaft zu sein. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Spezialisten und Generalisten ist beantwortet. Benötigt werden nicht Spezialisten oder Generalisten, sondern Spezialisten und Generalisten. In diesem Sinne: „Der Orthopäde ist ein international angesehenes Publikationsorgan und widmet sich allen Aspekten der Orthopädie.“ Mit einem Supermarkt hat das nichts zu tun.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre dieses Heftes und verbleibe

mit besten kollegialen Grüßen

Professor Dr. med. V. Ewerbeck

Editor in Chief

Originalarbeiten

Notes

Interessenkonflikt

V. Ewerbeck gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

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Authors and Affiliations

  1. 1.Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und ParaplegiologieUniversitätsklinikum HeidelbergHeidelbergDeutschland

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