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Die gerötete Brust – harmlos oder Warnzeichen?

Erythema of the breast – harmless or warning sign?

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Zusammenfassung

Hautrötungen, ein mitunter als bedrohlich wahrgenommenes Symptom, können ätiologisch mit sehr unterschiedlichen Ursachen verbunden sein. Das sich zum Teil sehr stark ähnelnde Erscheinungsbild setzt dem Anspruch einer frühen diagnostischen Einordnung von Erythemen an der weiblichen Brust eine besondere Schwierigkeit entgegen – umso mehr, als ein befundadaptiertes therapeutisches Vorgehen zumeist ad hoc und die Einordnung prognostischer Konsequenzen von den Betroffenen mittel- und langfristig nachgefragt werden. Für den Frauenarzt haben unter den erythematösen Brusterkrankungen v. a. entzündliche Erkrankungen (Mastitis puerperalis, Mastitis non-puerperalis, Brustabszess), benigne Veränderungen (Erysipel, venöse Thrombose, M. Mondor, Sklerodermie, Pannikulitis, Neurodermitis, Allergie, Verletzung), aber auch maligne Entitäten (inflammatorisches Mammakarzinom, M. Paget, leukämische Infiltration, paraneoplastische Dermatose) spezifische Bedeutung.

Abstract

Skin redness or erythema, which can be considered a warning sign, may result from very different causes. Its clinical appearance, which is similar in some cases, impedes early diagnostic classification. Nonetheless, targeted differentiation is crucial when therapeutic and prognostic consequences need to be addressed. From the gynecological perspective, particular medical attention must be paid not only to inflammation of the breast (e.g. puerperal mastitis, non-puerperal mastitis and breast abscesses) and to benign skin alterations (e.g. erysipelas, venous thrombosis, Mondor’s disease, scleroderma, panniculitis, neurodermatitis, allergies and skin lesions) but also to malignant breast diseases (e.g. inflammatory breast cancer, Paget’s disease, leukemic infiltration and paraneoplastic dermatosis).

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Correspondence to Prof. Dr. med. Alexander Strauss.

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Interessenkonflikt

A. Strauss gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.

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Redaktion

T. Dimpfl, Kassel

W. Janni, Ulm

R. Kreienberg, Landshut

N. Maass, Kiel

O. Ortmann, Regensburg

B. Sonntag, Hamburg

K. Vetter, Berlin

R. Zimmermann, Zürich

CME-Fragebogen

CME-Fragebogen

Welche Aussage zu erythematösen Erscheinungen an der weiblichen Brust ist richtig?

Rötliche Hautflecken um die Mamille sind stets als entzündungsbedingt anzusehen.

Vor jeglicher Therapie ist zunächst stets die histologische Abklärung abzuwarten.

Bruströtungen ohne weitere Allgemeinsymptome sind beweisend für ein inflammatorisches Mammakarzinom.

Die 5 klassischen Entzündungszeichen an der Brust umfassen Hautrötung, Überwärmung, Schwellung, Schmerz und eingeschränkte Funktion.

Das Aufmerksamkeitsniveau hinsichtlich Hautrötungen der Brust ist bei den Patientinnen selbst durch das System der Brustselbstuntersuchung durchweg so hoch, dass auffällige Erytheme regelhaft zum frühestmöglichen Zeitpunkt aufgedeckt werden können.

2. Wann bzw. wo tritt die Mastitis puerperalis nicht auf?

Meist unmittelbar post partum

In 80 % der Fälle einseitig

Bevorzugt im oberen äußeren Quadranten der Brust

Bei ca. 1 % aller Wöchnerinnen

Zumeist bei Erstgebärenden jugendlichen Alters

3. Welche Aussage zur Mastitis non-puerperalis trifft nicht zu?

Sie ist in der Regel eine bakteriologische Mischinfektion des Brustdrüsengewebes.

Ihre Häufigkeit steht im Vergleich zur Wochenbettmastitis im Hintergrund.

Die granulomatöse Brustentzündung sowie die Plasmazellmastitis stellen abakterielle Verlaufsformen dar.

Ein inflammatorisches Mammakarzinom sollte ausgeschlossen werden.

Die therapeutische Gabe von Prolaktinhemmern ist Einzelfällen vorbehalten.

4. Was gilt für den Mammaabszess?

Die chirurgische Abszessbehandlung (Inzision und Gegeninzision) ist heutzutage obsolet.

Bei der Entlastung eines Puerperalabszesses mittels Venenverweilkanüle ist das Fortsetzen des Stillens nicht anzuraten.

Die Ausdehnung des Abszessgeschehens ist am eindeutigsten mammographisch zu bestimmen.

Rauchverzicht der Patientin erweist sich als bedeutungslos für die Rezidivrate non-puerperaler Brustabszesse.

Aus Inzision und Gegeninzision resultiert ein größeres Operationstrauma als durch Punktionsverfahren.

5. Eine granulomatöse Mastitis wird …

antibiotisch behandelt.

primär operiert.

mit hochdosierter Kortikosteroid-Stoßtherapie zur Abheilung gebracht.

durch Sekretstau und Mitbeteiligung des periduktalen Stromas in Form von Mikroabszessen verursacht.

durch den bakteriologischen Nachweis von Staphylococcus aureus nachgewiesen.

6. Welche Aussage zu Klinik und Diagnostik des inflammatorischen Mammakarzinoms kann als korrekt gelten?

Der Häufigkeitsgipfel der Erkrankungsmanifestation liegt im Senium.

Die Mammographie ist das Diagnostikum der ersten Wahl.

Peau d’orange bestimmt die klinische Erscheinung.

Eine histologische Sicherung ist in klinisch typischen Fällen entbehrlich.

Die Prognose des inflammatorischen Mammakarzinoms entspricht jener des invasiv-duktalen Brustkrebses.

7. Welche Aussage zum inflammatorischen Mammakarzinom trifft zu?

Es ist für den Fall der abszedierenden Einschmelzung des Brustdrüsengewebes als zugrundeliegende Ursache der Hautrötung ausgeschlossen.

Es metastatiert erst spät im Krankheitsverslauf in die regionalen Lymphknoten.

Es ist bevorzugt in den unteren Quadranten der weiblichen Brust lokalisiert.

Es wird meist nicht primär systemisch behandelt.

Es weist eine so ungünstige Prognose auf, dass selbst mit multimodalen Therapiekonzepten nur Ansprechraten <60 % erreicht werden können.

8. Welche Aussage zum M. Paget ist nicht richtig?

Auch extramamilläre Lokalisationen der Erkrankung können vorkommen.

Die Erkrankung führt zu diagnostisch im Rahmen eines Screenings verwertbaren Erhöhungen von CA15-3.

Es handelt sich um eine intradermale Erscheinungsform eines intraduktalen non-invasiven bzw. eines infiltrierenden duktalen Mammakarzinoms.

Für die Mamillenekzementstehung spielen Brusthautverletzungen als Eintrittspforten keine pathogenetische Rolle.

Bildgebende Diagnostik hat einen geringeren praktischen Stellenwert als bei anderen tumorösen Brusterkrankungen.

9. Welche Aussage zum M. Paget ist korrekt?

Die Therapie entspricht der einer intraduktalen bzw. invasiv duktalen Karzinommanifestation ohne Paget-typische Mamillenerscheinungen.

Die Entstehung ist entweder als direkte Zelltransformation aus Brustwarzengewebe oder als Mamilleninfiltration eines unterliegenden DCIS zu verstehen.

Aufgrund des Mamillenbefalls verläuft die Erkrankung im Vergleich zum inflammatorischen Mammakarzinom prognostisch ungünstiger.

Bezüglich der histologischen Infiltrationstiefe ist das Krankheitsbild mit überwiegender Häufigkeit als infiltrierendes Malignom anzusehen.

Im Vergleich mit dem inflammatorischen Mammakarzinom ist der Altersmedian niedriger.

10. Welche Aussage zu paraneoplastischen Dermatosen trifft zu?

Der Assoziationsgrad von Hauterscheinungen mit der zugrundeliegenden Krebserkrankung erlaubt eine ätiologische Zuordnung zur Malignomentität.

Das Hautbild von rubor und tumor weist spezifisch auf die paraneoplastische Pathogenese der Erythementstehung hin.

Zur Differenzierung polymorpher paraneoplastischer Dermatosen sind laborchemische Analysen wegweisend.

Da paraneoplastische Dermatosen und leukämische Infiltrationen ausschließlich die Haut betreffen, kommt bildgebenden Verfahren kein diagnostischer Stellenwert zu.

Pruritus kann auch ohne sichtbare Hautveränderungen auf leukämische Infiltrate hinweisen.

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Strauss, A. Die gerötete Brust – harmlos oder Warnzeichen?. Gynäkologe 50, 441–454 (2017). https://doi.org/10.1007/s00129-017-4056-9

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Schlüsselwörter

  • Erythem
  • Mastitis puerperalis
  • Inflammatorisches Mammakarzinom
  • M. Paget der Brust
  • Paraneoplasie

Keywords

  • Erythema
  • Puerperal mastitis
  • Inflammatory breast cancer
  • Paget’s disease
  • Paraneoplasia