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Schlaganfallnachsorge in Deutschland

Ergebnisse einer Online-Befragung stationär und ambulant tätiger Experten in Süddeutschland
  • Isabelle HemplerEmail author
  • Andy Maun
  • Hanna Kampling
  • Ulrike Thielhorn
  • Erik Farin
Originalien
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Zusammenfassung

Hintergrund

Um Pflegebedürftigkeit nach einem Schlaganfallereignis zu vermeiden und erreichte Rehabilitationsergebnisse auch nach Abschluss der Rehabilitation weiterhin zu verbessern, bedarf es einer guten stationären und ambulanten Versorgung sowie eines lückenlosen Überganges in die Nachsorge. Ziel dieser Studie ist es, Expertenmeinungen zum aktuellen Versorgungsablauf im Rehaentlassungsprozess und in der Nachsorge zu erheben, Barrieren aufzuzeigen und Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Methodik

Im Rahmen einer Onlinebefragung zum Thema Schlaganfallnachsorge wurden Klinikärzte aus der stationären neurologischen Rehabilitation, niedergelassene Hausärzte und ambulant tätige Physiotherapeuten aus Baden-Württemberg (BW) und Bayern (BY) befragt (n = 77). Folgende Themengebiete wurden adressiert: Rehaentlassungsprozess, Nachsorge im Anschluss an den Rehaaufenthalt sowie interdisziplinäre Kooperation und Kommunikation. Die Onlinebefragung wurde zwischen dem 01.06.2017 und dem 03.08.2017 durchgeführt und deskriptiv ausgewertet.

Ergebnisse

Ein Vergleich der Einschätzungen stationär und ambulant tätiger Experten hinsichtlich Bedeutsamkeit und Barrieren der am Entlassungsprozess und in der Nachsorge beteiligten Faktoren zeigt überwiegend Diskrepanzen. Es werden insbesondere die interdisziplinäre Kooperation und Kommunikation bemängelt. Nach den Hauptursachen für eine erschwerte Rückkehr des Patienten in das häusliche Umfeld befragt, zeigen sich insbesondere berufsgruppenabhängig deutliche Unterschiede.

Diskussion

Behandlernetzwerke und standardisierte Kommunikationspfade können dabei unterstützen, die intra- und interdisziplinäre Kooperation und Kommunikation zu stärken und so eine Verbesserung im Entlassungsprozess sowie im Nachsorgesystem zu erreichen.

Schlüsselwörter

Schlaganfall Interdisziplinäre Kooperation Neurologische Rehabilitation Entlassungsprozess Ambulante Behandlung 

Poststroke care in Germany

Results of an online survey of inpatient and outpatient experts in southern Germany

Abstract

Background

To avoid long-term care after stroke and to promote occupational reintegration as well as to continue improving rehabilitation results, a good inpatient and outpatient care is necessary. More importantly a gapless transition into aftercare is required. The aim of this study was to gather expert opinions and experiences on the current care process during rehabilitation discharge and aftercare as well as to identify barriers and to discuss possible solutions.

Methods

Clinicians from inpatient neurological rehabilitation, general practitioners and physiotherapists working in outpatient rehabilitation from Baden-Württemberg (BW) and Bavaria (BY) took part in an online survey on poststroke care (n = 77). The following topics were addressed: discharge process into follow-up care, follow-up care after rehabilitation; as well as cooperation and communication in the discharge process and during follow-up care. The online survey was conducted between 1 June 2017 and 3 August 2017 and was descriptively analyzed.

Results

The perceptions of inpatient and outpatient experts with respect to significance and barriers of the factors involved in the discharge process and in the aftercare were mainly discrepant. In particular, the interdisciplinary cooperation and communication were criticized. Differences were mentioned depending on the occupational group, when asked about the leading cause that makes it difficult for the patient to return to their home environment.

Discussion

Practitioner networks and standardized communication pathways can help to strengthen intradisciplinary and interdisciplinary cooperation and communication and thus achieve an improvement in the discharge process as well as in the aftercare system.

Keywords

Stroke Interdisciplinary cooperation Neurological rehabilitation Discharge process Outpatient treatment 

Notes

Danksagung

Mein besonderer Dank gilt allen Experten, die sich an der Onlinebefragung beteiligt haben. Insbesondere möchte ich Frau J. Dusche (Presse und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Verbandes für Physiotherapie in Baden-Württemberg) für ihre Rekrutierungsunterstützung danken sowie Frau. Dr. P. Schönemann-Gieck (Institut für Gerontologie, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg) für ihre Zusage zur Nutzung und Modifizierung der Fragebögen.

Förderung

Die Studie ist Teil eines Promotionsvorhabens, welches durch das in Freiburg angesiedelte Kooperative Promotionskolleg „Versorgungsforschung: Collaborative Care“ gefördert wird. Das Promotionskolleg wiederum wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

I. Hempler, A. Maun, H. Kampling, U. Thielhorn und E. Farin geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Alle beschriebenen Untersuchungen am Menschen wurden mit Zustimmung der zuständigen Ethik-Kommission, im Einklang mit nationalem Recht sowie gemäß der Deklaration von Helsinki von 1975 (in der aktuellen, überarbeiteten Fassung) durchgeführt. Von allen beteiligten Patienten liegt eine Einverständniserklärung vor.

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Isabelle Hempler
    • 1
    Email author
  • Andy Maun
    • 1
    • 2
  • Hanna Kampling
    • 1
  • Ulrike Thielhorn
    • 3
  • Erik Farin
    • 1
  1. 1.Sektion Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung, Universitätsklinikum Freiburg, Medizinische FakultätAlbert-Ludwigs-Universität FreiburgFreiburgDeutschland
  2. 2.Lehrbereich Allgemeinmedizin, Medizinische FakultätAlbert-Ludwigs-Universität FreiburgFreiburgDeutschland
  3. 3.Katholische Hochschule FreiburgFreiburgDeutschland

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