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Der Unfallchirurg

, Volume 121, Issue 7, pp 514–515 | Cite as

Kontrolle schwerer Blutungen

Einführung zum Thema
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Control of severe bleeding

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

bei Terroranschlägen, im Krieg und bei Katastrophen mit Explosionen ist die Inzidenz schwerer Gefäßverletzungen gut 10-mal so hoch wie bei nicht durch Waffeneinwirkung verursachten Verletzungen [2]. Analysen der Verstorbenen haben gezeigt, dass von denen mit potenziell überlebbaren Verletzungen über 90 % verblutet sind [1]. Eine schnelle, sichere Blutungskontrolle stellt somit die effektivste Maßnahme zur Verbesserung der Überlebensrate dieser Opfer von Gewalteinwirkung dar.

Das Leitthema dieser Ausgabe beschäftigt sich mit aktuellen Aspekten der präklinischen und klinischen Blutungskontrolle. Lange Zeit war die Verwendung eines Tourniquets zur Blutstillung an den Extremitäten wegen der vermeintlichen Komplikationen verschrien. B. Hossfeld et al. stellen in ihrem Beitrag mit ausführlicher Literaturübersicht klar, dass diese Skepsis unberechtigt ist, und dass das Tourniquet sich gerade in den modernen Kriegen als lebensrettende Ersthelfermaßnahme etabliert und bewährt hat. Nicht umsonst ist inzwischen jeder NATO-Soldat mit einem Tourniquet in der persönlichen Ausrüstung ausgestattet. Aber auch für das zivile Umfeld konnte der Nutzen des Tourniquets belegt werden, wie beispielsweise die Erfahrungen des Anschlags auf den Boston-Marathon 2013 eindrucksvoll belegen [3].

Nicht alle Blutungen lassen sich durch ein Tourniquet oder einen Druckverband ausreichend kontrollieren. Diese „noncompressible injuries“ des Körperstamms und der Übergangszonen zu den Extremitäten und zum Hals, „junctional injuries“, stellen eine besondere Herausforderung dar. In ihrer Übersichtarbeit stellen D. Hinck et al. moderne Hämostyptika zur Versorgung dieser komplexen Verletzungen dar. Die Entwicklung immer effektiverer Hämostyptika wurde insbesondere durch das Militär vorangetrieben, um den Ersthelfern ein wirkungsvolles und gleichzeitig einfach zu handhabendes Instrument zur Blutstillung an die Hand zu geben. Aber auch im zivilen Rettungsdienst finden diese speziellen Verbandmaterialien inzwischen zunehmend Verbreitung.

Bei Verletzten in extremis stellt die Notfallthorakotomie mit Klemmen der thorakalen Aorta oftmals die letzte Chance zur temporären Kreislaufstabilisierung dar. In den letzten Jahren erfährt die bereits aus dem Koreakrieg 1954 von Colonel C. Hughes vorgestellte und in der Gefäßchirurgie beim rupturierten Bauchaortenaneurysma weit verbreitete Ballonokklusion der Aorta unter dem Begriff Resuscitative Endovascular Balloon Occlusion of the Aorta (REBOA) auch in der Traumatologie eine Renaissance. K. Elias et al. stellen diese von allen Chirurgen durchführbare endovaskuläre Technik vor und zeigen Möglichkeiten, aber auch Grenzen des Verfahrens auf. Tierexperimentell liegen vielversprechende Ergebnisse mit REBOA vor, die klinische Überlegenheit hinsichtlich Überleben muss jedoch erst noch in großen Registerstudien, wie sie derzeit in den USA laufen, belegt werden.

Mit zunehmender Subspezialisierung in der Chirurgie geht die gefäßchirurgische Expertise der nichtvaskulär spezialisierten Operateure allmählich verloren. Nicht immer steht jedoch ein Gefäßchirurg zur Versorgung einer schweren arteriellen Verletzung zur Verfügung, v. a. fernab der Ballungsräume und im Ausland. Der Sanitätsdienst der Bundeswehr hat daher speziell für alle Nichtgefäßchirurgen Kurse in Gefäßtraumatologie entwickelt. Der letzte Beitrag dieses Leitthemas stellt diese praxisorientierte, auch für zivile Chirurgen offene Veranstaltung vor. An lebensnahen Modellen werden einfache, aber effektive gefäßchirurgische Techniken gelehrt und geübt, welche jedem Kursteilnehmer als wirkungsvolles Rüstzeug zur Beherrschung von schweren Gefäßverletzungen zur Verfügung stehen.

Als Herausgeber dieses Leitthemas möchte ich mich bei allen Autoren für die Zeit und die Mühe bedanken, die sie bei der Erstellung ihrer Manuskripte investiert haben. Allen Leserinnen und Lesern des „Unfallchirurgen“ wünsche ich eine interessante und informative Lektüre.

Dr. Michael Engelhardt

Notes

Interessenkonflikt

M. Engelhardt gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

  1. 1.
    Eastridge BJ, Mabry RL, Seguin P, Cantrell J, Tops T, Uribe P, Mallett O et al (2012) Death on the battlefield (2001-2011): implications for the future of combat casualty care. J Trauma Acute Care Surg 73:S431–S437CrossRefPubMedGoogle Scholar
  2. 2.
    Heldenberg E, Givon A, Simon D, Bass A, Almogy G, Peleg K (2014) Terror attacks increase the risk of vascular injuries. Front Public Health 2(47):1–5Google Scholar
  3. 3.
    King DR, Larentzakis A, Ramly EP, The Boston Trauma Collaboration (2015) Tourniquet use at the Boston Marathon bombing: lost in translation. J Trauma Acute Care Surg 78:594–599CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie, Zentrum für Gefäßmedizin der BundeswehrBundeswehrkrankenhaus UlmUlmDeutschland

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