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Der Internist

, Volume 60, Issue 1, pp 1–2 | Cite as

Multiples Myelom

  • M. HallekEmail author
  • H. HallerEmail author
Einführung zum Thema
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Multiple myeloma

Das multiple Myelom (MM; synonym Plasmozytom; früher Kahler-Krankheit) ist eine Krebserkrankung des blutbildenden Systems. Sie ist gekennzeichnet durch die unkontrollierte Vermehrung antikörperproduzierender Plasmazellen. L. Rasche u. N. Weinhold (Würzburg) fassen in ihrem Beitrag die neuesten Erkenntnisse zur Pathogenese des multiplen Myeloms zusammen.

In den letzten Jahren gab es erhebliche Innovationen in der Diagnostik und Therapie des Plasmozytoms, die zu einer deutlichen Verbesserung der Prognose führten. Durch die zahlreichen Manifestationsformen des MM sind viele klinische Disziplinen in das Management der Erkrankung einbezogen. Einige der typischen klinischen Manifestationen des MM lassen sich in den englischen CRAB-Kriterien zusammenfassen und so besser merken: C = „elevated calcium“; R = „renal failure“; A = „anemia“; B = „bone lesions“. Das MM zeigt darüber hinaus zahlreiche andere klinische Manifestationen wie opportunistische Infektionen und Gewichtsverlust. Einige dieser charakteristischen klinischen Probleme werden in der vorliegenden Ausgabe von Der Internist behandelt. So schildern V. Goedecke et al. (Hannover) die Diagnose und Therapie der Nierenbeteiligung bei Plasmazellerkrankungen. Diese stellt in der Behandlung oft eine Herausforderung dar, weil die Dosierung der antineoplastisch wirksamen Medikamente an die verringerte Nierenfunktion angepasst werden muss. Das Spektrum der renalen Manifestation bei Plasmazellerkrankungen hat sich zudem seit Einführung des Begriffs der monoklonalen Gammopathie mit renaler Signifikanz erweitert und ist eine interdisziplinäre Herausforderung.

Die ossären Komplikationen des MM werden von K. Zarghooni et al. (Köln) beschrieben. Diese Osteolysen sind nicht nur schmerzhaft, sondern verursachen pathologische Frakturen, spinale Instabilitäten sowie eine Kompression des Myeloms und der Nervenwurzeln. Die Auswahl der Therapieoptionen erfolgt individuell anhand von Komorbidität, Prognose, Lokalisation und Anzahl der Läsionen sowie interdisziplinär mit Onkologen und Strahlentherapeuten. Die chirurgische Therapie nimmt eine supportive Stellung ein und dient der Schmerzlinderung, der Vermeidung und Behandlung pathologischer Frakturen und der Dekompression des Myeloms und der Nervenwurzeln. Eine adäquate präoperative Diagnostik ist essenziell für die Planung der operativen Therapie. Faszinierend ist hier die Vielfalt der operativen Verfahren. Es sollte immer eine dauerhafte Rekonstruktion angestrebt werden. Die zusätzliche Strahlentherapie führt bisweilen zu einer deutlich verbesserten lokalen Tumorkontrolle.

Zur Behandlung ossärer Komplikationen steht eine Vielfalt operativer und konservativer Verfahren bereit

I. Breitkreutz et al. (Heidelberg) fassen in ihrem Beitrag die Erstlinientherapie des MM zusammen, die sich im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte sehr deutlich verändert hat. Die Hochdosistherapie mit Melphalan und nachfolgender autologer Blutstammzelltransplantation führte zu einem verbesserten Gesamtüberleben bei jüngeren Patienten. Nach Einführung neuer Medikamente scheinen jetzt insbesondere Hochrisikopatienten von einer Tandemtransplantation zu profitieren. Standard in Deutschland vor geplanter Hochdosistherapie ist derzeit in der Regel eine Dreifachkombination, beispielsweise aus Bortezomib, Cyclophosphamid und Dexamethason oder aus Lenalidomid, Bortezomib und Dexamethason. Erstmalig in der Primärtherapie wurde kürzlich eine Therapie mit dem Anti-CD38-Antikörper Daratumumab in Kombination mit Bortezomib, Melphalan und Prednison zugelassen.

K.M. Kortüm u. H. Einsele (Würzburg) referieren in ihrem Beitrag die medikamentöse Therapie des MM-Rezidivs. Erfreulicherweise bestehen heute auch für Patienten im MM-Rezidiv gute Behandlungsmöglichkeiten. Erschwerend für die evidenzbasierte Wahl der Rezidivtherapie im konkreten Einzelfall sind das Fehlen vergleichender Studien zu neuen Substanzen und die individuelle Erkrankungsheterogenität. Daher bleibt die Behandlung des MM-Rückfalls, insbesondere bei Patienten mit Hochrisikomerkmalen, eine klinische Herausforderung. Der Übersichtsbeitrag erläutert eine praktische Herangehensweise für die Therapie bei MM-Rezidiv nach heutigem Kenntnisstand.

H. Haller

Notes

Interessenkonflikt

M. Hallek und H. Haller geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinik I für Innere MedizinUniversitätsklinikum KölnKölnDeutschland
  2. 2.Klinik für Nieren- und HochdruckerkrankungenMedizinische Hochschule HannoverHannoverDeutschland

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