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Post-Orgasmic-Illness-Syndrom: Therapieerfolg mit humanem Choriongonadotropin

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Für das Post-Orgasmic-Illness-Syndrom existiert bislang keine spezifische Therapie. Als vielversprechend wird die Hyposensibilisierung mit körpereigener Samenflüssigkeit gehandelt. US-amerikanische Urologen hatten nun bei einem 25-Jährigen mit einem ganz anderen Behandlungsansatz Erfolg - mit hCG.

Grippeähnliche Symptome gehören ebenso zum Post-Orgasmic-Illness-Syndrom (POIS) wie Konzentrationsschwäche, extreme Müdigkeit, Erschöpfung und Gereiztheit. Die Beschwerden treten innerhalb weniger Minuten nach dem Samenerguss auf und halten zwei bis drei Tage an. Der Leidensdruck Betroffener ist enorm, viele versuchen, ihre sexuelle Aktivität radikal einzuschränken.

Erstmals wurde das POIS vor 15 Jahren beschrieben. Damals wurden zwei derartige Fälle beschrieben, mittlerweile umfasst deren Forschungsprojekt 45 Patienten. Die Ärzte vermuten, dass das POIS mit einer Autoimmunreaktion auf die körpereigene Samenflüssigkeit zusammenhängt und haben als Behandlungsansatz die Hyposensibilisierung mit autologen Spermien in Erwägung gezogen und getestet. Bis jetzt aber herrscht kein Konsens über die Ätiologie, und entsprechend auch nicht über den geeigneten Therapieansatz.

Zwei Urologen aus den USA beispielsweise konnten einem ihrer Patienten auf einem ganz anderen Weg helfen: Der 25-jährige Mann litt seit Beginn der Pubertät an einem POIS und hatte in der Hoffnung auf Hilfe bereits viele Ärzte aufgesucht. Als er das erste Mal die beiden Urologen Jose Bolanos und Abraham Morgentaler aufgesucht hatte, war er bei einem Psychiater wegen Panikattacken in Behandlung und nahm Propranolol. Das wegen des POIS verschriebene Alprazolam war nur von geringem Nutzen. Vorausgegangene Therapieversuche des POIS mit Bupropion und Lisdexamfetamin waren ohne Erfolg geblieben. Der junge Mann war Single und gab eine Ejakulationshäufigkeit von einmal alle zwei bis drei Monate an.

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© Jupiterimages / Polka Dot / Thinkstock (Symbolbild mit Fotomodell)

Zum Post-Orgasmic-Illness-Syndrom gehören grippeähnliche Symptome wie Erschöpfung und Müdigkeit.

Die Urologen sahen sich einem körperlich normal entwickelten, intelligenten Mann gegenüber, der sozial gut integriert war. Allerdings waren die Testosteronspiegel relativ niedrig (Gesamttestosteron: 374 ng/dl, freies Testosteron: 1,4 ng/dl, luteinisierendes Hormon [LH]: 4,7 mU/l; Hämatokrit: 44,7 %), was auch schon in einer Blutuntersuchung zwei Jahre zuvor gezeigt hatte.

Aufgrund der Blutwerte entschlossen sich die Urologen, ihren Patienten mit humanem Choriongonadotropin (hCG) zu behandeln. Ihm wurden dreimal pro Woche 1.500 U hCG subkutan injiziert. Sechs Wochen später waren seine POIS-Beschwerden verschwunden und er war sexuell deutlich aktiver. Das Alprazolam hatte er abgesetzt. Die Testosteronspiegel hatten sich normalisiert (Gesamttestosteron: 952 ng/dl; freies Testosteron: 2,8 ng/dl) und LH sowie das follikelstimulierende Hormon (FSH) lagen unterhalb des Grenzwertes. Auch nach sechs Monaten, die Therapie war weiter fortgeführt worden, war der junge Mann mit der Situation sehr zufrieden, auch wenn er nach manchen Orgasmen wieder milde POIS-Symptome verspürte, die aber meist nach kurzer Zeit verschwanden.

Fazit: Dieser ungewöhnliche Fall legt nach Ansicht der beiden Urologen die Vermutung nahe, dass bei einigen Männern das POIS unter Umständen mit einem Testosterondefizit assoziiert sein könnte. Die Urologen hatten sich bei diesem jungen Mann für eine Testosteronanhebung mit hCG entschieden, um die Fertilität und das Hodenvolumen des jungen Mannes zu erhalten. Sie glauben aber, dass im Hinblick auf die POIS-Symptomatik mit exogenem Testosteron ein ebenso guter Erfolg erzielt werden könnte.

Bolanos J et al. Successful treatment of Post-orgasmic illness syndrome with human chorionic gonadotropin. Urol Case Rep. 2019; 29: 101078

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Correspondence to Dr. Dagmar Kraus.

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Kraus, D. Post-Orgasmic-Illness-Syndrom: Therapieerfolg mit humanem Choriongonadotropin . Uro-News 24, 46 (2020). https://doi.org/10.1007/s00092-020-4058-0

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