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Uro-News

, Volume 23, Issue 4, pp 57–57 | Cite as

Prostatakarzinom: primäre Hormonblockade bei herzkranken Patienten

  • Reimund Freye
Literatur kompakt
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_ Bei einer Expertenrunde urologischer Fachärzte wurden die zahlreichen therapeutischen Optionen im Verlaufe der Behandlung eines Prostatakarzinoms erörtert. Sofern sich der Arzt für eine Androgendeprivationstherapie (ADT) entschieden hat, machte Prof. Florian Wagenlehner, Gießen, auf die Beachtung einer kardialen Komorbidität aufmerksam. „Rund jeder zweite Patient mit Prostatakarzinom weist eine solche Zusatzerkrankung auf. Und dies sollte Einfluss auf die Wahl bei der primären Hormontherapie haben“, betonte der Urologe.

Die Patienten mit Prostatakarzinom versterben am zweithäufigsten an einer kardiovaskulären Erkrankung, unterstreichte Wagenlehner. Und hier haben hormonelle Interventionen durchaus eine erhebliche und — in Hinsicht auf Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Agonisten und -Antagonisten — sehr unterschiedliche Wirkung. So gibt es in einem Mausmodell Hinweise darauf, dass Degarelix (Firmagon®) nicht nur weniger arteriosklerotische Gesamtplaques macht als etwa Leuprorelin, sondern dass vor allem der nekrotische Plaqueanteil, der rupturanfällig ist, signifikant geringer ist [Hopmans SN et al. Urol Oncol. 2014; 32: 1126-34].

Wagenlehner führte weiterhin eine — allerdings retrospektive — Metaanalyse an. Sie verglich GnRH-Agonisten und -Antagonisten bei kardial vorerkrankten Patienten mit Prostatakarzinom miteinander [Albertsen PC et al. Eur Urol. 2014; 65: 565-73].

Die Ereignisse wurden innerhalb des ersten Jahres nach Beginn der Therapie dokumentiert. Todesfälle, so der Urologe aus Gießen, sah man unter Degarelix mit einem Anteil von 1,9 %, gegenüber 5,3 % bei den GnRH-Agonisten. Kardiale Ereignisse wurden im Degarelix-Kollektiv bei 4,5 % verzeichnet versus 9,4 % bei den GnRH-Agonisten.

Diese Resultate wertete der Wagenlehner jedoch zunächst nur als — wenngleich starke — Hinweise. Daher begrüße er es, dass mit der PRONOUNCE-Studie aktuell eine prospektive Untersuchung rekrutiert, so Wagenlehner. Im Rahmen der Studie werden Patienten mit bestehender kardiovaskulärer Erkrankung entweder auf Degarelix oder auf Leuprorelin randomisiert. Primärer Endpunkt sind dabei schwere kardiovaskuläre Ereignisse (Major Adverse Cardiac Event, MACE).

Auch wenn die Ergebnisse dieser Studie noch nicht vorliegen, konstatierte Wagenlehner bereits: „Ich würde bei kardial vorbelasteten Patienten bei der aktuellen Datenlage einen GnRH-Antagonisten bevorzugen.“

Literatur

  1. Uroclub 2019: Urologisches Live-Symposium, Talkrunde: Evidenzcheck Prostatakarzinom, Mannheim, 8.–9.2.2019; Veranstalter: Ferring Arzneimittel GmbHGoogle Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Reimund Freye
    • 1
  1. 1.

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