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Uro-News

, Volume 23, Issue 4, pp 46–46 | Cite as

Prostatakarzinom: Zweite Biopsie nach einem Jahr nicht zwingend?

  • Peter Leiner
Literatur kompakt
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Eine aktuelle Studie legt nahe, dass es beim Prostatakarzinom mit niedrigem Risiko und aktiver Überwachung unerheblich ist, ob eine Biopsie ein Jahr später oder erst bei entsprechender PSA-Kinetik wiederholt wird, wenn es darum geht, eine Progression aufzudecken.

Gemäß Protokoll wird bei Niedrigrisiko-Prostatakarzinom unter aktiver Überwachung die Biopsie zur Kontrolle der Tumorprogression nach einem Jahr wiederholt.

In einer Pilotstudie wurde nun der Nutzen dieser Zweitbiopsie untersucht. Eine Patientengruppe (n = 78) wurde nach Protokoll versorg, die Vergleichsgruppe (n = 71) dagegen nicht. Hier wurde eine erneute Biopsie nur „bei besonderem Grund“ gemacht. Bei allen Patienten war die Eingangs-MRT-Bildgebung negativ. Primärer Endpunkte waren die Raten der Tumorreklassifikation respektive Tumorprogession und der aktiven Überwachung nach zwei Jahren. Das Follow-up lag in der ersten Gruppe median bei 42,5, in der Vergleichsgruppe bei 32 Monaten. In beiden Gruppen wurde eine Biopsie vorgenommen, wenn das Anstiegstempo des Werts für das prostataspezifische Antigen (PSA) über 0,75 ng/ml pro Jahr lag oder die PSA-Verdopplungszeit weniger als drei Jahre betrug.

Bei insgesamt 21 der 149 Patienten (14,1 %) stellten die Ärzte zwei Jahre nach Studienbeginn ein Fortschreiten der Tumorerkrankung fest, und zwar bei 17,1 % (95 %-Konfidenzintervall[KI]: 10,3–27,7 %) der Männer mit per Protokoll vorgenommen Biopsien und bei 12,3 % (95 %-KI: 6,3–23,1 %) der Männer in der Vergleichsgruppe.

Damit gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen (p = 0,56). Dies galt auch für das gesamte Follow-up (p = 0,19). Allerdings war die Teilnehmerzahl für eine gute Aussagekraft zu gering. Weil die Patienten zudem von einer einzigen Klinik der Maximalversorgung stammten und das Follow-up in beiden Gruppen unterschiedlich lang war, müssen die Ergebnisse noch in einer größeren Studie verifiziert werden.

Fazit: Aus den Ergebnissen der Studie geht hervor, dass es bei Prostatakarzinompatienten mit niedrigem Risiko und aktiver Überwachung offenbar unerheblich ist, ob eine Biopsie per Protokoll ein Jahr später oder erst bei entsprechender PSA-Kinetik wiederholt wird, wenn es darum geht, eine Progression aufzudecken. Durch Orientierung an der PSA-Kinetik ließen sich so unnötige Biopsien vermeiden. Die Ergebnisse gilt es jedoch mit einer größeren Patientenkohorte zu verifizieren.

Literatur

  1. Olivier J et al. Low-risk prostate cancer selected for active surveillance with negative MRI at entry: can repeat biopsies at 1 year be avoided? A pilot study. World J Urol. 2019; 37: 253–9CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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