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Uro-News

, Volume 23, Issue 1, pp 49–49 | Cite as

Seltener Prostatakarzinomdiagnose nach Reduktasehemmertherapie

  • Peter Leiner
Literatur kompakt
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Wird benigne Prostatahyperplasie mit 5-α-Reduktasehemmern behandelt, reduziert das die Wahrscheinlichkeit für ein Prostatakarzinom. Das zeigen die Ergebnisse einer retrospektiven Studie über einen Zeitraum von 20 Jahren.

Bislang gibt es keine Empfehlungen zur Chemoprävention des Prostatakarzinoms (PCA) mit 5-α-Reduktasehemmern (5-αRH), da die Therapie in bisherigen Studien mit einem höheren Risiko für Tumoren mit Gleason-Score 8–10 einherging. In einer retrospektiven Studie wurde nun der Zusammenhang zwischen der routinemäßigen Anwendung dieser Medikamente und der PCA-Inzidenz, der Schwere der Erkrankung und der krebsspezifischen Mortalität untersucht.

Für die Studie wurden Daten des Gesundheitsministeriums von Saskatchewan (Kanada) sowie dem dortigen Krebsregister genutzt. 4.571 Männer wurden mit 5-αRH und 7.764 Männer mit einem der α-Blocker behandelt. Kontrollgruppe waren 11.677 Patienten mit benigner Prostatahperplasie (BPH), die keine derartige Arznei erhielten. Primärer Endpunkt war die Entwicklung eines PCA.

Im Median lag das Follow-up zwischen vier und sechs Jahren. In dieser Zeit erkrankten 5,8 % der Männer mit 5-αRH-Behandlung neu an einem PCA, in der α-Blockergruppe waren es 11,4 % und in der Kontrollgruppe ohne diese Arzneien 11,0 %. Die prostatakrebsspezifischen Sterberaten betrugen 1,2 %, 2,4 % und 2,2 %. Dabei war das PCA-Risiko mit 5-αRH-Behandlung um etwa 40 % geringer als ohne medikamentöse Behandlung. Gegenüber Unbehandelten war es bei Männern mit α-Blockerbehandlung um 11 % geringer. Allerdings war die Wahrscheinlichkeit, dass ein aggressives PCA (Gleason-Score 8–10) entdeckt wurde, in den Arzneigruppe um etwa 30 % höher (adjustierte Hazard Ratio [HR]: 1,37 bei 5-αRH-Behandlung, 1,28 bei α-Blockertherapie). Um Verzerrungen zu vermeiden, wurden in der HR-Berechnung unter anderem Alter, Lipidsenkertherapie, Diabetes und Hypertonie berücksichtigt.

Die Studienautoren weisen einschränkend darauf hin, dass nicht überprüft werden konnte, ob die verschriebenen Präparate tatsächlich regelmäßig eingenommen wurden. Bei fast jedem dritten Teilnehmer hätten zudem Angaben zum Gleason-Score gefehlt.

Fazit: Eine retrospektive Studie hat gezeigt, dass bei Patienten mit BPH das Risiko für eine Krebsdiagnose mit Gleason-Score 8–10 bei Einnahme von 5-αRH um etwa 40 % niedriger ist als bei Männern, die einen α-Blocker oder keine der beiden Substanzgruppen einnehmen. Die medikamentöse Therapie, vor allem über längere Zeit mit 5-αRH, ist also mit einer verringerten Wahrscheinlichkeit für die Krebsdiagnose assoziiert. Das Metastasierungsrisiko und die Mortalität bleibt unbeeinflusst.

Die langfristige Einnahme von 5-á-Reduktasehemmern scheint das Prostatakarzinomrisiko zu senken.

© Robert Kneschke / Fotolia (Symbilbild mit Fotomodell)

Literatur

  1. Van Rompay MI et al. Impact of 5α-Reductase Inhibitors and α-Blockers for Benign Prostatic Hyperplasia on Prostate Cancer Incidence and Mortality. BJU Int 2019; https://doi.org/10.1111/bju.14534Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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