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HNO Nachrichten

, Volume 49, Issue 2, pp 57–57 | Cite as

Die Nase in der Kunst, Teil 2

Von der Nase zum Charakter

  • Antonella Grevers
Prisma
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Die Physiognomik als Teilgebiet der Ausdruckspsychologie spielt eine wichtige Rolle in der Darstellung eines Menschen, da sie über das äußere Erscheinungsbild Rückschlüsse auf das Innere zieht. Der zweite Beitrag unserer Serie zur Nase in der Kunst beschreibt, was laut Physiognomik die Nasenform eines Menschen über seinen Charakter verrät.

Die Physiognomik wird zum ersten Mal in der „Physiognomica“-Schrift erwähnt (300 vor Christus), und wurde irrtümlicherweise lange Zeit Aristoteles zugeschrieben. Der Autor der „Physiognomica“ hingegen nennt den Philosophen Pythagoras als den ersten Griechen, der sich mit der Physiognomik befasst hat, und dies bereits im 6. Jahrhundert nach Christus. Da viele seiner Schriften verlorengegangen sind, ist seine Lehre nur sehr lückenhaft bekannt.

In der „Physiognomica“ werden drei unterschiedliche Aspekte zur Differenzierung der Physiognomik aufgeführt:
  • der Mensch-Tier-Vergleich,

  • die nationale Charakterdifferenzierung und

  • die Prägung des äußeren Erscheinungsbildes mittels erfahrener Leidenschaften und Gemütsbewegungen.

Der erste Aspekt, also der Mensch-Tier-Vergleich, war lange Zeit die am häufigsten verwendete Methode zur Charakterbeschreibung von Personen. Innerhalb dieses Systems nahm die Nase eine zentrale Stellung ein. Schweine beispielsweise wurden als stumpfsinnig angesehen. Da sie eine sehr ausgeprägte Nasenspitze haben, galten auch Menschen mit dicken Nasenspitzen als stumpfsinnig. Diese Analogie wurde auch für andere Tiere herangezogen, so sollte eine spitze Nase wie bei einem Hund auf Jähzorn und eine breite Nase wie bei einem Ochsen auf Trägheit hindeuten.

Dennoch gab es durchaus auch „Flexibilität“ innerhalb dieses sehr vereinfachten Charakterisierungssystems; denn eine stumpfe Nase konnte auch für Großmut stehen, wenn sie mit dem Löwen assoziiert wurde. Durch diese unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten wird aber auch die Schwäche des Systems offenbar, da sich natürlich die Frage stellt, wie sich diese Diskrepanz auf den Menschen übertragen lässt. Auf Grund der genannten Inkohärenzen fand die „Physiognomica“ letztendlich auch keinen Zugang in die mittelalterliche Welt, da sie nicht wirklich überzeugend und die Zeit zu sehr von religiösen Einflüssen dominiert war.

Erst in der Renaissance, im Jahre 1522, erschien eine erste bebilderte Darstellung der Physiognomien durch Johann von Hagen. Sein Aufsatz „Chiromantia“ stellte die Besonderheit der Nase für den Gesichtsausdruck heraus, da sie eine entscheidende Struktur für die Verschiedenheit der Gesichter darstellte. Diese Sichtweise begründete er u.a. mit Vergleichen von Rhinozeros- und Adlernasen. Seiner Theorie zufolge lassen sich Nasen vor allem auf Grund ihrer Länge, Dicke und Biegung (Abb. 1) differenzieren.

Abb. 1

In der Renaissance erschien die erste bebilderte Darstellung der Physiognomien (aus Johann von Hagen, „Chiromantia“).

Ein weiterer Theoretiker, Giambattista della Porta (1535–1615), begründete sein Werk „De humana physiognomia“ von 1586 ebenfalls auf dem Mensch-Tier-Vergleich. Seine Schrift baute auf der „Physiognomica“ auf und zeigt vor allem Holzschnitte, auf denen Tierköpfe, Menschenköpfe und Phantasiegestalten sowie bekannte Gesichter der Geschichte zu sehen sind. So wird z. B. Platon als Hund, Sokrates als Hirsch und Aristoteles als Löwe dargestellt (Abb. 2). Platon hat vom Hund die große und witternde Nase, sowie die hohe Stirn als Hinweis auf Klugheit und Aufrichtigkeit. Das Werk von Gianbattista della Porta beeinflusste Theoretiker und bildende Künstler bis ins 19. Jahrhundert. Letztere verwandten sein Werk als Lehrbuch zur Erfassung und Darstellung der unterschiedlichen Charaktere in Malerei und Skulptur.

Abb. 2

Giambattista della Porta vergleicht in seinem Werk „De humana physiognomia“ das Gesicht von Aristoteles mit einem Löwenkopf.

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Authors and Affiliations

  • Antonella Grevers
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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