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HNO Nachrichten

, Volume 49, Issue 1, pp 38–38 | Cite as

Allergologie unter Druck

  • Thomas M. Heim
Medizin aktuell
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_ „Allergien werden in Deutschland unzureichend behandelt“, erklärte Julia Blumentritt, Erfurt. Eine Versorgungsstudie aus den Jahren 2007—2010 habe gezeigt, dass die Häufigkeit von Rhinitis und Asthma zunehme, die Anzahl der allergologisch tätigen Praxen jedoch um fast ein Drittel abgenommen habe. Nur 7 % der Menschen mit allergischer Rhinitis und 5 % der Asthmapatienten erhielten eine spezifische Immuntherapie (SIT) [Müller T. Allergo J. 2014;23:48].

Zudem konstatiert Blumentritt einen Mangel an Praxen mit allergologieaffinen Facharztspezialisierungen in vielen Regionen — zudem fehle es an entsprechendem Nachwuchs. Auch die Erleichterung bestimmter facharztspezifischer Honorarleistungen wie Hautkrebsscreening oder ambulantes Operieren trage zur Verdrängung der Allergologie bei. Durch den zunehmenden Anteil älterer Patienten nehme die Diagnostik und Behandlung von Tumorerkrankungen einen immer größeren Stellenwert ein. Insgesamt seien die Anforderungen an die Praxen im Hinblick auf Organisation und Lenkung der Patientenströme gewachsen. „Aktuell haben noch 70 % der Dermatologen die Zusatzbezeichnung Allergologie“, berichtete Blumentritt. Unter jüngeren Kollegen jedoch sei der Anteil wegen des fehlenden wirtschaftlichen Anreizes bereits deutlich niedriger.

Dennoch ist Blumentritt der Ansicht, dass Allergologie trotz voller Praxis gelingen kann, wenn einige Dinge beachtet würden. Ein eigenes Labor beispielsweise sei aus wirtschaftlicher Sicht ratsam. Die Versorgung von Patienten mit Akutsymptomen und Patienten mit elektiven Terminvergaben müsse im Zeitmanagement klar getrennt werden. Geregelte Abläufe seien das A und O in einer hoch frequentierten Praxis — auch um Fehler zu vermeiden, etwa bei der SIT. An Blumentritts Zentrum werden die Präparate dafür bereits am Vortag vom Praxispersonal herausgesucht und bereitgestellt. Erst nachdem ein festgelegter Katalog an Fragen vom Patienten entsprechend beantwortet wurde, werden die Spritzen aufgezogen. Die eigentliche Injektion sollte dabei ausnahmslos durch den Arzt selbst erfolgen. Blumentritt riet dringend dazu, sich unmittelbar vor der Injektion noch einmal genügend Zeit für den Abgleich von Patientenname und Präparat zu nehmen.

Literatur

  1. AllergoCompact „Was macht Allergologie sexy?“Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Thomas M. Heim
    • 1
  1. 1.

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