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HNO Nachrichten

, Volume 48, Issue 4, pp 16–16 | Cite as

Probiotika unterstützen Toleranzinduktion

  • Barbara Kreutzkamp
Literatur kompakt
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Die Entwicklung weiterer Allergien bei primär kuhmilchallergischen Kindern beruht wahrscheinlich auch auf einer intestinalen Dysbiose. Was bringt die Zugabe von Probiotika zu einem Casein-Hydrolysat in der Prävention atopischer Sekundärmanifestationen?

Die Kuhmilchallergie ist eine häufige Nahrungsmittelallergie bei Kindern. Neben der Belastung durch die klinische Symptomatik ist das Risiko für weitere Sensibilisierungen erhöht. Die Toleranzinduktion gelingt unter anderem durch Supplementation mit extensiv hydrolysierten Caseinformulierungen (EHCF), wobei sich durch Zusatz des Probiotikums Lactobacillus rhamnosus GG (LGG) höhere Toleranzraten erzielen lassen als durch das Hydrolysat alleine. Vermutlich beeinflusst die Kombination die Darmdysbiose sowie die epigenetische Regulation von Genen, die für die Synthese von Th1- und Th2-Zytokinen zuständig sind. Eine solche Immunmodulation dürfte auch langfristige Effekte haben, vermutete eine italienische Forschergruppe und initiierte eine prospektive kontrollierte Studie.

Aufgenommen wurden 220 Kleinkinder mit einer IgE-vermittelten Kuhmilchallergie, die randomisiert eine alleinige Kuhmilchsubstitution mit EHCF oder eine EHCF-LGG-Kombi-Substitution erhielten. Nach 36 Monaten wurde überprüft, inwieweit weitere allergische Erkrankungen wie Ekzeme, Urtikaria, Asthma oder Rhinitis neu aufgetreten waren.

Dabei ergaben sich absolute Risikodifferenzen für die Manifestation mindestens einer weiteren allergischen Erkrankung von −0,23 (95 %-Konfidenzintervall −0,36 bis −0,10; p < 0,001) zugunsten der Kombi-Substitutionsgruppe. Die absolute Risikodifferenz für die Entwicklung einer Kuhmilchtoleranz, festgestellt durch eine doppelblinde Nahrungsmittelprovokation, lag bei 0,20 (95 %-Konfidenzintervall 0,05–0,35; p < 0,01) nach zwölf Monaten und bei 0,24 und 0,27 nach 24 und 36 Monaten, auch hier war die Kombination dem EHCF überlegen. Eine Intoleranz gegen das Hydrolysat trat bei keinem Kind auf.

Fazit: Kleinkinder mit IgE-vermittelter Kuhmilchallergie entwickeln bei Supplementation mit einer extensiv hydrolysierten Kaseinformulierung plus einem probiotischen Bakterienstamm signifikant weniger weitere klinisch manifeste Allergien als bei alleiniger Hydrolysat-Gabe. Auch die Induktion einer Kuhmilchtoleranz gelingt mit der Kombibehandlung rascher und besser als mit der Monosupplementation.

Literatur

  1. Canani RB et al. Extensively hydrolyzed casein formula containing Lactobacillus rhamnosus GG reduces the occurence of other allergic manifestations in children with cow’s milk allergy: 3-year randomized controlled trial. J Allergy Clin Immunol 2017;139:1906–13CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Barbara Kreutzkamp
    • 1
  1. 1.

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