Forstwissenschaftliches Centralblatt

, Volume 91, Issue 1, pp 201–222 | Cite as

Die Problematik sehr alter Bäume

  • E. Rohmeder
Abhandlungen
  • 31 Downloads

Zusammenfassung

Die auf den beiden Faktorengruppen Erbanlagen und Umwelteinflüsse beruhende Formenmannigfaltigkeit und die damit zusammenhängenden Individualeigenschaften der Waldbäume treten mit zunehmendem Alter immer stärker und im völligen Freistand deutlicher als im dichten Bestandsschluß in Erscheinung. An sehr alten freistehenden Bäumen erleben wir die Einmaligkeit des Lebewesens Baum besonders eindrucksroll. Den aus dem Schri~tum bekannten Angaben über die höchstmögliche Lebensdauer werden die im Forstbetrieb aus wirtschafldichen Überlegungen ermittelten Umtriebszeiten (durchschnittliches Abtriebsalter) einzelner Baumarten gegenübergestellt. Sehr lange Lebensdauer ist nur einzelnen, unter besonders günstigen Umweltbedingungen lebenden Bäumen beschieden. Meist wird das Baumleben durch Nahrungs-, Wasseroder Lichtmangel (Konkurrenz der Nachbarn) oder durch Naturgewalten, tierische oder pflanzliche Schädlinge oder dutch die Nutzungsmaßnahmen des Menschen begrenzt. Markante, alte Bäume in der freien Landscha~, in den Waldungen, in Siedlungen und Städten möglichst lange zu erhalten und zu pflegen, ist eine dankenswerte Aufgabe, der sich vor allem der Naturschutz angenommen hat. Altersschwache, pilzbefallene Naturdenkmäler in der freien Landschaft außrhalb des Fallbereichs von Wegen können bis an ihr natürliches Lebensende belassen bleiben. Überall dort abet, wo überalterte, kranke Bäume eine ernstliche Gefährdung für Gesundheit und Leben von Menschen darstellen, müssen sie entfernt werden. Aus diesen Gründen und wegen der durch unvermeidbare Naturereignisse abgehenden alten Bäume soll man rechtzeitig für Ersatz dutch Schutz- und Pflegemaßnahmen an jüngeren “Naturdenkmalanwärtern” sorgen.

Durch den in den letzten zwei Jahrzehnten zunehmenden motorisierten Verkehr haben sich Unfälle durch stürzende Bäume, die Personen verletzten oder töteten und erheblichen Sachschaden anrichteten, vermehrt. Nach Schilderung einiger Unfallbeispiele werden die rechtlichen Fragen und die zu ergreifenden Vorsorgemaßnahmen erörtert.

Die Problematik sehr alter Bäume und der Zwiespalt zwischen den Bestrebungen, Bäiume möglichst lange am Leben zu erhalten, und den Erfordernissen der Verkehrs~ sicherheit werden am Beispiel der Hellbrunner Allee in Salzburg geschildert.

Summary

With growing age the variety of tree forms based on hereditary and environmental factors and the attributes of the individual forest tree species are more forthcoming if the trees are completely detached, th~n in closed stands. Very old detached trees show most clearly the uniqueness of the living being “tree”.

The age of cutting (rotation period) which is based on economic reflections of the forest enterprise is confronted with the highest physical age as is known from the literature. Only trees under exceptionally favourable conditions can reach a very high age. In most cases lack of nutritive elements, deficiency of water and light (competition with neighbouring trees), climatic, zoological and pathological damages and human exploitation delimit a tree's age.

It is a meritorious task in which first of all the organization for natural protection is highly interested to save and maintain salient old trees on open sites, in forest stands and in settled areas. If those monuments of nature are weakened by age and attacked by fungi, they may be retained if they do not endanger roads. However, they must be removed if they are a serious danger to life and health of people. Candidates which might later replace those natural monuments should be maintained and protected in due time.

In the last two decades with extending motorized traffic the number of deaths, injuries and material damages by falling trees was highly increased. The author gives some examples of accidents and discusses legal questions and preventive measures.

The problem of preserving old trees as long as possible and removing them for the sake of traffic security is discussed by means of the avenue of trees at Hellbrunn Castle near Salzburg/Austria.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Bartels, H., 1971: Isoenzyme und ihre Bedeutung für Forstpflanzenzüchtung und-genetik, Allg. Forstzeitschr.26, 50–52.Google Scholar
  2. Bergmann, F., 1971: Genetische Untersuchungen bei Picea abies mit Hilfe der Isoenzym-Identifizierung, Allg. Forst-u. Jagdztg.142, 278–280.Google Scholar
  3. Fröhlich, H. J., 1964: Identifikationsmerkmale von Pappeln der Sektion Aigeiros, Merkblatt 3, herausgegeben vom Forschungsinstitut für Pappelwirtschaft, Hann. Münden.Google Scholar
  4. Fröhlich, H. J.;Baumeister, G., 1963: Methoden zur Identifizierung von Leuce-Pappeln, Forstarchiv34, 245–252.Google Scholar
  5. Kanngiesser, F., 1906: Lebensdauer und Dickenwachstum der Waldbäume, Allg. Forst-u. Jagdztg.82, 181–184, 217–220, 289–291.Google Scholar
  6. Kanngiesser, F., 1909: Zur Lebensdauer der Holzpflanzen, Flora99, 416 ff.Google Scholar
  7. Molisch, H., 1929: Die Lebensdauer der Pflanze, Jena.Google Scholar
  8. Köstler, J., 1950: Waldbau, Berlin und Hamburg.Google Scholar
  9. Köstler, J., 1950: Bäume als Individuen und als Sozialwesen in der Waldbehandlung, Forstwiss. Centralbl.69, 98–110.CrossRefGoogle Scholar
  10. Leibundgut, H., 1970: Der Wald, 2. Aufl., Frauenfeld.Google Scholar
  11. Müller, R.; Sauer, E. 1958–1961: Altstammsorten der Schwarzpappelbastarde, Sonderdruck aus Holz-Zentralblatt.Google Scholar
  12. Pfister, W., 1961/62: Haftung des Waldeigentümers für Schäden durch stürzende Bäume, Holz-Zentralbl.86, 575–577 und87, 1277–1278.Google Scholar
  13. Rasmuson, B.;Rudin, D., 1971: Variations in esterase zymogram patterns in needles of Pinus silvestris from provenances in northern Sweden, Silvae Genetica,20, 39–41.Google Scholar
  14. Rohmeder, E., 1956: Das Problem der Alterung langfristig vegetativ vermehrter Pappelklone, Forstwiss. Centralbl.75, 380–407.CrossRefGoogle Scholar
  15. Rohmeder, E., 1957: Altersphasenentwicklung der Waldbäume und Forstpflanzenzüchtung, Silvae Genetica6, 136–142.Google Scholar
  16. Rohmeder, E., 1957: Die Haftung des Waldbesitzers für sturmgeworfene Bäume, Allg. Forstzeitschr.12, 70–75.Google Scholar
  17. Rohmeder, E., 1962: Waldbäume an öffentlichen Wegen als Gefahrenquellen, Allg. Forstzeitschr.17, 165–170.Google Scholar

Copyright information

© Verlag Paul Parey 1972

Authors and Affiliations

  • E. Rohmeder
    • 1
  1. 1.Institut für Forstsamenkunde und Pflanzenzüchtung der Forstlichen Forschungsanstalt MünchenMünchenDeutschland

Personalised recommendations