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Aktuelle Fragen der strafrechtlichen Arzthaftung

Current issues regarding medical liability

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Summary

Currently, liability discussions are being dominated by AIDS and the legal problems associated with birth and death. The indroduction of routine AIDS tests without the knowledge of those concerned is disputed heatedly and, in fact, may well constitute bodily assault and render those responsible liable to prosecution. In AIDS cases, the apparent breach of the Hippocratic oath of secrecy by Physicians can be justified on the grounds of both the extraordinary circumstances prevailing and conflicting duties. The transmission of AIDS could give rise to prosecution for causing bodily injury or manslaughter. The drawing up of a law to protect embryos is designed to establish legal constraints in the fields of reproduction and gene technology. In reframing § 168 StGB, which provides protection to the dead embryo, legislators assume that the head of a medical clinic is the lawful custodian of the corpse of a person who has died in his institution. This should help to resolve many of the problems arising from post-mortem examinations. The questions of euthanasia and medical assistance in cases of suicide were raised at the 1986 Conference of German Lawyers. Whereas medical treatment that could be considered as interference with the natural process of dying may be withdrawn in the case of irreversible terminal suffering, active euthanasia, i.e. the deliberate killing of a terminal patient, was rejected. With regard to noninterference in a suicide attempt by a third party, the free decision of the person wishing to commit suicide should be respected. In general, however, the maxim in dubio pro vita should be respected and where any doubt exists, an attempt should be made to save the person's life.

Zusammenfassung

In der aktuellen Diskussion stehen AIDS sowie Rechtsfragen zu Beginn und Ende menschlichen Lebens. Die Zulässigkeit von AIDS-Routinetests ohne Kenntnis des Betroffenen ist heftig umstritten; tatbestandlich könnte eine strafbare Körperverletzung vorliegen. Ein Bruch der ärztlichen Schweigepflicht, die prinzipiell auch bei der AIDS-Erkrankung besteht, ist über die Grundsätze des rechtfertigenden Notstands oder der Pflichtenkollision zulässig. Bei der Übertragung von AIDS ist eine Strafbarkeit wegen eines Körperverletzungs- oder Tötungsdeliktes zu befürchten. Mit dem Entwurf eines Embryonenschutzgesetzes sollen Mißbräuche auf dem Gebiet der Fortpflanzungs- und Gentechnik strafrechtlich verfolgt werden. Bei der Neufassung des § 168 StGB, wonach der Schutzbereich dieser Norm jetzt auch die tote Leibesfrucht umfaßt, ging der Gesetzgeber ausdrücklich davon aus, daß der Leiter einer Krankenanstalt grundsätzlich berechtigter Gewahrsamsinhaber der Leiche eines in der Klinik Verstorbenen ist; für die Sektionsproblematik dürfte dies eine beruhigende Klarstellung bedeuten. Mit der sogenannten Sterbehilfe und der ärztlichen Mitwirkung beim Suicid beschäftigte sich der Deutsche Juristentag 1986: Während medizinische Behandlungen, die eine Verfälschung des Sterbens darstellten, bei irreversiblen Leiden abgebrochen werden können, wurde die aktive Sterbehilfe, also das gezielte Töten eines Todkranken, abgelehnt. Hinsichtlich der Nichthinderung fremder Selbsttötung sollte die frei verantwortliche Entscheidung des Suicidenten grundsätzlich respektiert werden; in der Regel muß allerdings „in dubio pro vita“ gelten, im Zweifel ein Eingreifen zur Rettung des Lebens.

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Übersichtsreferat, gehalten auf der 18. Jahrestagung des Nord- und Westdeutschen Arbeitskreises der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin, Berlin, 1./2. Mai 1987

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Kaatsch, H.-. Aktuelle Fragen der strafrechtlichen Arzthaftung. Z Rechtsmed 99, 169–180 (1987). https://doi.org/10.1007/BF00201248

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Key words

  • Medical liability
  • AIDS, medical liability
  • Gene technology, medical liability
  • Euthanasia, medical liability

Schlüsselwörter

  • Arzthaftung, Strafrecht
  • AIDS, strafrechtliche Arzthaftung
  • Gentechnologie, strafrechtliche Arzthaftung
  • Sterbehilfe, strafrechtliche Arzthaftung